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Wels sucht Leasingschwestern für Altenheime

Von Erik Famler   18.Juni 2021

Wels sucht Leasingschwestern für Altenheime
Covid-19 hat das Sterben in den Heimen beschleunigt. Jetzt sind viele Betten frei.

Selten waren in den städtischen Altenheimen so viele Betten frei, dennoch herrscht Personalnot. Diesen Widerspruch begründet die zuständige Stadträtin Margarete Josseck-Herdt (FPÖ) mit geänderten Personalschlüsseln und einem Konkurrenzkampf mit den Spitälern: "Die Diplomkräfte werden dort ausgebildet und verbleiben dann in den Krankenhäusern. Das Ausbildungssystem ist zu wenig auf die Altenpflege ausgerichtet", beklagt die Welser Generationenreferentin.

Ein weiterer Grund für den personellen Engpass ergebe sich aus der Arbeitssituation infolge Covid-19: "Obwohl wir über dem vom Land vorgeschriebenen Personalschlüssel liegen, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Ende ihrer Belastungsgrenze. Hinzu kommen Langzeit-Krankenstände, davon ist besonders älteres Personal betroffen."

In den vier städtischen Pensionistenheimen fehlen aktuell vier Diplomkräfte – Tendenz steigend. Bei den Pflegeassistentinnen sei man noch im Plan, heißt es seitens der zuständigen Dienststelle. Zugleich stehen insgesamt 38 Betten leer. "Das hat zwei Gründe: Zum einen hat Corona zu einer hohen Sterblichkeit geführt, andererseits trauen sich viele ältere Menschen derzeit nicht ins Heim, weil es dort weiterhin Einschränkungen gibt", so Josseck-Herdt.

Erhöhte Belastung des Personals

Diese Zutrittshindernisse sind es auch, die zu einer erhöhten Belastung des Personals geführt haben: "Die Angehörigen spielen in der Pflege eine wichtige Rolle. Sie entlasten unsere Beschäftigten. Wenn Opa und Oma aus Angst vor der Ansteckung nicht besucht werden können, bedeutet das für die Bediensteten mehr Arbeit."

Um die Lücken zu schließen, geht Dienststellenleiterin Karin Tomek neue Wege. Erstmals werden Diplomkräfte über Leasingfirmen gesucht: "Für die Beschäftigten ist das eine Alternative zur Fixanstellung, weil sie flexibler sind. Wer bleiben will, wird von uns nach einem halben Jahr übernommen", stellt Josseck-Herdt in Aussicht. Wie erwähnt, suchen neben den Trägern von Altenheimen auch die Spitäler nach Personal. Wer sich als Diplomkraft entscheidet, in einem Krankenhaus zu arbeiten, genießt nicht nur ein besseres Image, sondern verdient auch um durchschnittlich 300 bis 400 Euro mehr. Deshalb plädiert Josseck-Herdt für eine Harmonisierung beider Systeme nach dem Vorbild von Niederösterreich: "Dort haben sie die Gesundheits- und Sozialberufe angeglichen. Es gibt einen Tarif für alle. Bei uns werden die Diplomkräfte in den Spitälern ausgebildet und meistens bleiben sie auch dort. Dieses System geht zulasten der Altenpflege in den Heimen."

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