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Siegerentwurf für Hitlerhaus präsentiert: Polizei zieht 2023 ein

Von Jasmin Bürger   03.Juni 2020

Siegerentwurf für Hitlerhaus präsentiert: Polizei zieht 2023 ein
Mit zwei Giebeln kehrt das Haus in der Salzburger Vorstadt 15 zu seinem ursprünglichen Erscheinungsbild zurück.

Zwei Giebel trug das Dach des Hauses mit der Adresse Salzburger Vorstadt 15 im 19. Jahrhundert, ehe es mit der nunmehr flachen, durchgängigen Dachfront als Geburtshaus Adolf Hitlers unrühmlich in die Geschichtsbücher einging.

Nun soll mit einer Rückkehr zur ursprünglichen Form – und dem bereits angekündigten Einzug der Polizei – eine "Neutralisierung dieses Ortes" gelingen, wie Hermann Feiner, Sektionschef im Innenministerium, gestern bei der Präsentation des Siegerentwurfs für die Neugestaltung des Hauses sagte. Das Vorarlberger Architekturbüro Marte.Marte ging unter zwölf eingereichten Projekten bei der EU-weiten Ausschreibung als Sieger hervor. Der Entwurf ähnelt jenem, den schon der Stadtverein Braunau im Vorjahr vorgeschlagen hatte. Gerade die "Einfachheit und Unaufgeregtheit der Architektur" hätten die Jury überzeugt, wie Juryvorsitzender Robert Wimmer sagte.

Hitler-Haus wird umgestaltet

Seit heute ist klar, wie das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau künftig aussehen soll, wenn in zwei Jahren die Polizei dort einziehen wird.

Keine Gedenkstätte

Damit soll auch verhindert werden, dass das Gebäude von Neonazis wie in der Vergangenheit immer wieder als Kultstätte genutzt wird. Feiner kündigte in diesem Zusammenhang auch die Entfernung des derzeit noch vor dem Haus befindlichen Mahnmals ab – das habe die auch mit Historikern besetzte Kommission zur Nachnutzung des Hitlerhauses ausdrücklich empfohlen. Der Gedenkstein dürfte nach Wien ins Haus der Geschichte übersiedeln.

Fünf Millionen Euro sind für den Umbau, der nicht nur die Fassade, sondern den gesamten Gebäudekomplex samt Innenhof und Hinterhaus umfasst, budgetiert. Anfang 2023 sollen das Bezirkspolizeikommando und die Polizeiinspektion Braunau in der Salzburger Vorstadt einziehen.

Für Innenminister Karl Nehammer (VP) beginnt damit ein "neues Kapitel des aktiven Gedenkens". Nachdem sein Vorvorgänger Wolfgang Sobotka (VP) noch den Abriss des Objekts angekündigt hatte, ist für Nehammer die Nutzung durch die Polizei die "geradezu geeignetste Lösung". Schließlich sei die Polizei die Hüterin von Grund- und Freiheitsrechten, wies er auf die symbolische Bedeutung hin.

Der Weg bis zur gestern präsentierten Architekturlösung war ein langer: Nach jahrelangem Streit mit der Eigentümerin, deren Familie das Haus nach Kriegsende zurückbekommen hatte, entschied sich die Republik 2016 für die Enteignung.

Der Verein für Zeitgeschichte hatte sich lange für eine Nutzung als Gedenkstätte ausgesprochen, ein "Haus der Verantwortung" stand zur Diskussion. Das Innenministerium setzte 2016 eine Expertenkommission ein, die eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung empfahl – aber keinen Abriss, wie Sobotka angekündigt hatte. Die Entscheidung für den Einzug der Polizei ist im Vorjahr gefallen.

Chronologie

  • 20. April 1889: Adolf Hitler kommt als drittes von sechs Kindern des Zollbeamten Alois Hitler und seiner Frau Klara in dem seit 1826 bestehenden Haus zur Welt.
  • 25. März 1938: Die NSDAP übernimmt das Geburtshaus des Führers, in dem auch ein Gasthaus angesiedelt ist, in ihren Besitz. Nach Kriegsende übergibt es die Republik 1952 wieder den früheren Eigentümern.
  • 25. März 1936: Die NSDAP übernimmt das Geburtshaus des Führers, in dem auch ein Gasthaus angesiedelt ist, in ihren Besitz. Nach Kriegsende übergibt es die Republik 1952 wieder den früheren Eigentümern.
  • 1977: Nach mehreren kurzfristigen Zwischennutzungen durch die Republik mietet sich die Lebenshilfe Oberösterreich ein. 2011 zieht der Verein nach gescheiterten Verhandlungen mit der Eigentümerin Gerlinde Pommer über einen behindertengerechten Umbau aus. Seither steht das Gebäude leer, das Innenministerium zahlte der Eigentümerin rund 5000 Euro Monatsmiete.
  • 14. Dezember 2016: Nachdem mit Pommer keine Einigung über einen Kauf durch die Republik erzielt wurde, beschließt der Nationalrat die Enteignung Pommers. Nach längerem Rechtsstreit erhält sie 812.000 Euro Entschädigung.
  • November 2019: Nach Einsetzung mehrerer Kommissionen gibt das Innenministerium bekannt, dass Bezirkspolizeikommando und Polizeiinspektion Braunau in das Gebäude einziehen. Ein Architektenwettbewerb wird EU-weit ausgeschrieben.
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