Damals/Vor 100 Jahren

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Lothar Rendulic: Der Mann, der für Hitler die "Ostmark" halten sollte

In der zweiten Aprilwoche 1945 übernahm ein in der NS- und Wehrmachtshierarchie höchst angesehener General aus Österreich das Kommando über die Heeresgruppe Süd/Ostmark und damit den aussichtslosen Auftrag, den Bereich des damals namentlich nicht existenten Österreich gegen den Vormarsch der Alliierten zu verteidigen.

13. April 2015 - 00:05 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Lothar Rendulic (*1887) war ein kroatischstämmiger k. u. k. Generalstabsoffizier und Jurist, wurde später vom Bundesheer der Ersten Republik übernommen, war schon 1932 der NSDAP beigetreten, deswegen 1935 dienstenthoben und nach dem Anschluss zum Generaloberst befördert worden. Er konnte militärstrategisch nicht annähernd fachgerecht verteidigen. In seinem 1952 erschienenen Buch "Gekämpft, gesiegt, geschlagen" schrieb Rendulic, dass weder Truppenstärke noch Material und schon gar nicht die Zeit ausgereicht hätten, um das von der Roten Armee angepeilte Wien effektiv zu halten.

 
Generalmajor Lothar Rendulic, Kommandant der Heeresgruppe Süd/Ostmark
Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1995-027-32A / Krucker / CC-BY-SA

So wurden die Russen eine Zeitlang am Weitermarsch in Richtung Ennsfluss und Steiermark gehindert, der Abzug der deutschen Truppen aus dem gefallenen Wien zu ermöglichen versucht, ehe im April offensichtlich wurde, dass nicht nur der Kampf um Wien verloren war. Rendulic führte das Kommando aus der Nähe von St. Pölten, später von Waidhofen an der Ybbs aus.

Sein Befehl, möglichst viele "fliegende Standgerichte" einzurichten, kostete mit den "Kreisstreifen", die der Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, einführte, in den letzten Kriegstagen noch Hunderten Oberösterreichern das Leben. Soldaten, die angesichts der Aussichtslosigkeit desertiert waren, Zivilisten, die sich gegen den mörderischen Endkampf wehrten, waren die Opfer. Am 7. Mai unterschrieb Rendulic in St. Martin im Innkreis die Kapitulationserklärung. Den Waffenstillstand mit den USA und nicht mit den Russen verhandelt und die Zerstörung aller Brücken boykottiert zu haben, rechnete sich Rendulic als Verdienst an.

 
Rendulic vor dem Nürnberger Tribunal
Bild: Archiv

Der "1000-prozentige" Nationalsozialist kam in US-amerikanische Gefangenschaft und wurde im sogenannten Geiselmordprozess 1948 in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen an Zivilisten in Jugoslawien und Norwegen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Drei Jahre später reduzierte das US-Hochkommissariat die Strafe auf zehn Jahre, Ende 1951 wurde er aus der Anstalt Landsberg in Bayern entlassen.

Rendulic arbeitete danach in Seewalchen als Militär-Fachautor und Schriftsteller sowie bei den "Salzburger Nachrichten" (selten auch bei den "OÖNachrichten") als Fach-Kolumnist. Historiker rechnen ihn zu jenen, die die inzwischen klar widerlegte These von der "sauberen Wehrmacht" (im Gegensatz zur SS) erfolgreich verbreitet haben. 1958 kandidierte er als Obmann der FPÖ, die Wahl gewann der ehemalige SS-Mann Friedrich Peter. 1971 starb Rendulic 83-jährig in Eferding.

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Kommentare

„Krieg war immer ein dreckiges Geschäft, wo Skrupellosigkeit, mord und dgl. “ Bergbauer Krieg war immer ein dreckiges Geschäft, ...
„Hier gehts nicht um Krieg im herkömmlichen Sinn, sondern um ein besonderes Scheusal.“ Ruflinger Hier gehts nicht um Krieg im herkömmlich...
„Kann mich noch gut daran erinnern, mit welchem Eifer Rendulic in den OÖN in Leserbriefen seine ...“ alvin Kann mich noch gut daran erinnern, mit w...

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