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Stadt oder Land?

Wo lebt es sich besser? Eine persönliche Analyse.

Zu den unfruchtbarsten Streitthemen gehört die Frage, ob es besser ist, am Land zu leben oder in der Stadt. Wenn sich Kontrahenten da einmal ineinander verbissen haben, fliegen die Schwarz-Weiß-Bilder ganz tief.

Die Land-Fans verdächtigen die Stadt eines ständig gestressten, künstlich erregten und letztlich krank machenden Lebensstils, obendrein auch einer gewissen moralischen Unzuverlässigkeit. Die Gegenseite wiederum ist schnell mit dem Verdacht unverbesserlicher Borniertheit zur Stelle. Und unerträgliche Langeweile gehört ihrer Ansicht nach sowieso zu den Standards des Landlebens, das gar nicht so gesund ist, wie es immer tut.

Aus meiner eigenen Lebensgeschichte, die nun schon 62 Jahre dauert, kann ich sagen, dass ich die Vorteile und Nachteile der städtischen wie der dörflichen Lebensform kennengelernt habe. In unseren Lebensphasen ändern sich auch Vorlieben und Bedürfnisse. Dass ich meine ersten drei Volksschuljahre in Pramet erleben durfte, war ein Geschenk des Lebens. Mehr Entfaltungsmöglichkeiten als im Dorfleben der frühen Sechzigerjahre sind für einen kleinen Buben einfach nicht vorstellbar.

Dann kam Ried, keine übertrieben große Stadt, Tokio oder New York sind ein bisserl größer, aber ich habe die kleinstädtische Atmosphäre als Jugendlicher schon auch gemocht. Da gab es ein Gymnasium und eine Musikschule, ein Kino und ein Freibad. Dass mir meine Eltern ermöglicht haben, in Salzburg zu studieren, also eine etwas größere Stadt kennenzulernen, habe ich genossen, und die Nähe einer Großstadt wie Linz war mir allein aus kulturellen Gründen immer wichtig.

Ich besuche auch gerne meine Kinder in Wien. Aber je älter ich werde, umso ungenierter gebe ich zu, dass ich im Grunde ein Provinzler geblieben bin. Ich mag es, wenn ich bei Sonnenaufgang die Vögel singen höre, und ich rede gerne den Bäcker und die Trafikantin mit dem Vornamen an. Das alles habe ich in Gallneukirchen, wo ich jetzt wohne. Und ich freue mich, wenn ich ins Innviertel komme und mich die Leute dort so herzlich begrüßen, als wär’ ich immer einer von ihnen geblieben. Irgendwie bin ich es ja auch.

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Artikel Christian Schacherreiter 13. Oktober 2016 - 00:04 Uhr
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