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Lob der Dilettanten

Kultur für alle: Das Rieder Brucknerbundorchester verdient Wertschätzung

Am Samstag präsentiert das Orchester des Rieder Brucknerbundes mit einem ambitionierten Programm sein Herbstkonzert. Dvoraks neunte Sinfonie ist nämlich keine Kleinigkeit, die man so nebenher erledigt, schon gar nicht als Amateurmusiker, und ich nehme an, dass die Mehrheit der Musikerinnen und Musiker, die am Samstag in der Jahn-Turnhalle zum Instrument greifen, keine Profis sind.

Zumindest war das so in den Jahren, als ich beim Rieder Brucknerbund meine ersten Orchestererfahrungen machen durfte. Zugegeben, das ist schon eine Weile her. In den frühen Siebzigerjahren wurde ich unter dem Dirigat von Joseph Werndl mit der sinfonischen Welt Händels, Beethovens, Mozarts und Schuberts bekannt gemacht.

Dafür bin ich bis heute dankbar, obwohl ich nicht behaupten kann, dass ich den Klassikern von Anfang an geigerisch gewachsen war. Allerdings war ich nicht der Einzige, der sich über manche Passage mit vordergründig harmloser Miene hinwegschwindeln musste. Die Wiener Philharmoniker tun sich da leichter, das ist klar. Dennoch finde ich es großartig, dass es nach wie vor Ensembles wie das Rieder Brucknerbundorchester gibt und dass ein versierter Dirigent wie Gunter Waldek für Aufführungen mit Niveau sorgt.

In Oberösterreich gibt es viele musizierende Menschen, die öffentliche Auftritte nicht scheuen. Das ist erfreulich, denn auf diese Weise kommt vielleicht so mancher Onkel, der Hochkultur sonst eher scheut, zu einem Konzerterlebnis. Die Oma stellt penibel ihr Hörgerät ein, und Schulfreunde einer Mitwirkenden, die sich unter der Marke "Antonín Dvorák" bis dahin einen tschechischen Speditionsbetrieb vorgestellt haben, erleben einen unerwarteten Bildungszuwachs.

Das Wort Dilettant wird heute meist in abwertender Bedeutung gebraucht. Das war nicht immer so. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein waren "Dilettantenorchester" eher die Regel als die Ausnahme im Konzertbetrieb. Der Dilettant ist nämlich kein Stümper, sondern ein Mensch, der ohne Erwerbszweck, aber engagiert eine Sache betreibt, die ihm viel Freude macht. Applaus und Bravo!

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Artikel Christian Schacherreiter 08. November 2018 - 00:04 Uhr
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