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Gott und die Hofburg

Bundespräsidentenwahl: Das Innviertel ist, ganz ohne Hilfe von oben, blaues Kerngebiet.

Am nächsten Sonntag fällt die Entscheidung zwischen Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen.

Das Innviertel ist FP-Stammland. 58,22 Prozent bekam Hofer bei der ersten Stichwahl im Mai. Auffällig ist diesmal Hofers Slogan "So wahr mir Gott helfe". Ist die Religion in die Politik zurückgekehrt? Wird über ein Weltbild, einen Glauben, ein Bekenntnis abgestimmt? Oder werden religiöse Symbole und Formulierungen nur gebraucht, um ein Alleinstellungsmerkmal zu bekommen?

Auf Unterstützung von oben hatten die Freiheitlichen bisher selten gebaut. Das "dritte Lager" war anti-klerikal. Die FPÖ nennt als ihre Wurzel die bürgerliche Revolution von 1848, die vom Widerstand gegen Absolutismus und Staatskirchentum geprägt war. Radikale Deutschnationale waren Neuheiden. Auch der VdU (Vorläufer der FP) gab sich stets kirchenkritisch. Jörg Haiders Eltern waren aus der Kirche ausgetreten, er konnte zunächst nicht getauft werden. Später suchte Haider die Nähe zu einigen erzkonservativen Kirchenmännern, mit denen er das Abendland retten wollte. Strache ließ sich 2009 als Erwachsener firmen. Derzeit verwendet er das christliche Bekenntnis als Mittel gegen eine "Islamisierung" Europas. Inspiriert ist das alles von FP-Generalsekretär Herbert Kickl, der den Slogan "Abendland in Christenhand" erfand. Kickls Idee war auch Hofers Gesuch "So wahr mir Gott helfe". Man sollte die plakative Fürbitte nicht überbewerten; in Wahlkämpfen wird allerlei gepredigt. Aber eine Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke ist grundsätzlich abzulehnen. Die Religion bietet vielen Menschen eine Orientierung. Parteipropaganda ist kein moralischer Kompass.

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Artikel Christoph Kotanko 01. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
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