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Weg mit diesem Theatervertrag, sofort!

Möge diese unwitzige Theatervertrags-Posse doch endlich beendet und die Vereinbarung gekündigt sein!

Das Geld-Herumgeschiebe von Stadt Linz und Land Oberösterreich sind Buchhalter-Manöver, die unter den Institutionen vor allem Grenzen ziehen, statt ein Miteinander zu forcieren.

Ja, dieser Theatervertrag muss weg, sofort! Diese Abmachung wird alle paar Jahre aufs Neue um den Preis eines billigen Druckmittels verschleudert, deshalb ist sie das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Weil Kunst ist das eine, die politische Moral das andere.

Stellen Sie sich vor, das Musiktheater des Landes setzt am Eröffnungstag des Linzer Brucknerfests seine wichtigste Opern-Premiere des Jahres auf den Spielplan. Oder das Bruckner Orchester Linz, das Bruckner Orchester Oberösterreich heißt, spielt nie wieder im Linzer Brucknerhaus. Nie wieder ein Konzert in der ursprünglichen Heimstätte des in der gleichen Stadt residierenden Klangkörpers. Im ganzen Land würden sie jodeln vor Lachen. Genauso wie über den Witz, dass der LASK als Linzer Fußball-Bundesligist seine Heimspiele nicht daheim austrägt, sondern in Pasching. Das gibt’s doch nirgends.

In Oberösterreich geht das, weil hier in manchen politischen Bereichen die kleinkarierte Abschottung in Mode bleibt. In der Kultur fördert dieser Zustand eine Form von Trophäenkunst, die wie in feudalen Zeiten die Anwesen ihrer Eigentümer schmückt. Aber wer Kunst nur als Ornament seines Besitztums sieht, der schlägt sie unter ihrem Wert und hält das Publikum zum Narren.

Deshalb weg mit diesem Theatervertrag, sofort! Weil er nie dazu geführt hat, wonach er aussieht: zu Vertrauen, zu verbindlicher Gemeinsamkeit, zu programmatischer Abstimmung, zur Bündelung der Kräfte bei Großprojekten, zur Bespielung aller Häuser in der Faszination verschränkter Ideen.

Kultur kostet selbstverständlich Geld – und wenn es Stadt wie Land mit ihrer Beschwörung einer Kulturregion ernst meinen, müssen sie ihren Vertrag weiter fassen, statt ihn auf Theater zu reduzieren. Bezeichnungen wie "Museen der Stadt Linz" oder "Landestheater" sollen nicht nur den Eigentümer ausweisen, sondern müssen Qualitätssiegel werden. Die Stadt Linz hat Gewaltiges zu bieten, zusammen mit dem Land Oberösterreich noch mehr – und umgekehrt.

 

In der gestrigen OÖN-TV-Sendung wurde dieses Thema ebenfalls behandelt:

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Artikel Peter Grubmüller 09. November 2018 - 00:04 Uhr
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