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Salzburger Zauberer und Scharlatane

David Brenner, Gabi Burgstaller und die Salzburger Scheinheiligkeit

Entweder David Brenner ist ein Genie, das es versteht, auf den Finanzmärkten zu zaubern wie einst das Salzburger Wunderkind Wolfgang Amadeus auf den Klaviertasten – oder er muss zurücktreten.

Am 15. Oktober wurde der Salzburger Finanzreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter (SP) nachweislich informiert, dass Salzburg neben den offiziell bekannten 49 Zinstausch- und Devisentermingeschäften weitere 253 (!) Zockergeschäfte laufen hat. Am 16. November beantwortete er eine Landtagsanfrage der Grünen, pries die Vorzüge der Derivatgeschäfte – und verschwieg bei der Frage nach deren Zahl die 253 Schatten-Spekulationsgeschäfte, über die er einen Monat zuvor informiert worden war.

Weil die Geschäfte binnen dieses einen Monats ohne Schaden für das Land aufgelöst worden seien, ließ Brenner gestern als Rechtfertigung verbreiten. Das wäre nun wirklich ein Kunststück. Dann möge man ihn bitte auch damit betrauen, die mutmaßlich 340 Millionen Euro Buchverlust, die dann weitere unbekannte Spekulationsgeschäfte ausgelöst haben müssen, ebenso rasch wegzuzaubern.

Wahrscheinlicher ist, dass Brenner in der Anfragebeantwortung falsch informiert hat – und damit eine letzte Grenze überschritten hat: Ein Regierungmitglied, das den Landtag belügt, muss gehen.

Landeshauptfrau Burgstaller entschuldigte sich unterdessen gestern im Landtag tränenreich dafür, dass „der Eindruck entstanden ist, dass wir das Land in die größten Turbulenzen geführt hätten“. Das ist scheinheilig – genauso wie die gespielte Überraschung in der Salzburger ÖVP über Spekulationsgeschäfte des Landes. Es war nie ein Geheimnis, dass das Land wie kein anderes mit riskanten Derivatgeschäften operierte. Allein das offiziell bekannte Jonglieren von fast 50 Derivatgeschäften mit 16 verschiedenen Banken hätte längst zu einem Aufschrei führen müssen. Ein Bundesland ist keine Investmentbank.

In Linz hat es eine dilettantische Stadtpolitik und -verwaltung geschafft, mit nur einem einzigen Geschäft – dem berühmt-berüchtigten Swap 4175 – mehr als 400 Millionen Euro aufs Spiel zu setzen. So gesehen, können sich die Salzburger mit ihren bis zu 300 verschiedenen Derivaten und einem Buchverlust von 340 Millionen Euro ja fast glücklich schätzen.

Aber wie ließ Friedrich Torberg schon seine Tante Jolesch sagen: „Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist“.

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Artikel Markus Staudinger 13. Dezember 2012 - 00:04 Uhr
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