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Alter, Pflege, Vorsorge: Was wir gerne ausblenden

Es gibt Sachen, die schiebt man am liebsten weg: den Weisheitszahn, der gezogen gehört, über den man aber – solange er nicht schmerzt – nicht nachdenken will.

Oder die Steuererklärung, die man erst zum allerletzten Zeitpunkt angeht.

Was im privaten Bereich gilt, trifft auch auf den öffentlichen zu. Dass wir im Schnitt älter werden, nehmen wir alle gern und freudig zur Kenntnis. Dass wir uns als Gesellschaft längst darauf vorbereiten sollten, dass in 30 Jahren jeder dritte Oberösterreicher älter als 60 Jahre, jeder fünfte älter als 70 Jahre sein wird, wollen wir nicht so recht wahrhaben.

Das beginnt in der Arbeitswelt. Älteren Mitarbeitern zum frühestmöglichen Zeitpunkt nahezulegen, in die Pension zu gehen, kann für Unternehmen nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Im Gegenteil: Arbeitsplätze müssen so gestaltet werden, dass Mitarbeiter bis zum Erreichen des Regelpensionsalters arbeiten können. Auf Mitarbeiter-Seite setzt das fortwährende Lernbereitschaft voraus. Diese Erkenntnisse dringen, auch bedingt durch Erschwernisse beim frühzeitigen Pensionsantritt, langsam durch.

Noch ganz anders sieht es beim Thema Pflege aus. Da hanteln wir uns von einem Provisorium zum nächsten. Der Pflegefonds, 2012 als Notlösung ins Leben gerufen, gilt vorerst bis 2021. Was danach kommt, ist offen.

Zur Pflege-Planlosigkeit passen auch Wahlkampfaktionen wie die Abschaffung des Pflegeregresses. Was für Betroffene eine schöne Nachricht war (und einige Ungerechtigkeiten im föderalen Schrebergarten Österreichs beseitigte), war nicht durchdacht. Kostenschätzungen wurden nicht einmal dem Prinzip "Daumen mal Pi" gerecht. Am Ende standen 100 Millionen Euro pro Jahr, die der Bund österreichweit zur Verfügung stellen wollte. Allein in Oberösterreich betragen die Mehrkosten 70 Millionen Euro. Wer sie trägt, ist Gegenstand finanzpolitischen Tauziehens zwischen Bund, Ländern und Gemeinden.

Vielleicht wird der Pflegefonds 2021 noch einmal verlängert. Seine Dotierung reicht aber gerade mal jetzt, um das Pflegesystem zu finanzieren. Ab 2025 wird die Zahl der Pflegebedürftigen Prognosen zufolge sprunghaft steigen.

Es ist Zeit, grundsätzliche Entscheidungen zu treffen. Probleme ewig wegzuschieben, funktioniert nicht. Weder beim Weisheitszahn, noch bei der Steuererklärung und schon gar nicht bei der demografischen Entwicklung.

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Artikel Markus Staudinger 09. März 2018 - 00:04 Uhr
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