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Nachbar in Not: Was ÖVP und CSU verbindet oder trennt

WIEN/MÜNCHEN. Am Sonntag droht der bayrischen Staatspartei ein Debakel. Die Volkspartei dagegen hält dank Sebastian Kurz ihre guten Werte. Die CSU-Talfahrt sollte der ÖVP aber eine Warnung sein.

Nachbar in Not: Was ÖVP und CSU verbindet oder trennt

Söder und Kurz (im vergangenen Juni in Linz): Schulterschluss vor der drohenden CSU-Schlappe Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die Absolute der CSU schien gottgewollt im Land der Bayern, doch am Sonntag dürfte es damit vorbei sein. Die Umfragen sehen die Freistaatspartei mit ihrem Spitzenkandidaten, Ministerpräsident Markus Söder, zwischen 33 und 35 Prozent, ein gewaltiger Absturz gegenüber den 47,7 Prozent bei der Wahl 2013.

Der Nachbar ist in Not. Die Gesinnungsfreunde von der ÖVP sind dagegen im Hoch, seit Sebastian Kurz Obmann und Kanzler wurde. 51 Prozent der befragten Bürger sind überzeugt, dass das Land unter der Führung der ÖVP "in die richtige Richtung geht".

Die Schwarzen haben – anders als die CSU – einen herzeigbaren Spitzenmann, meint der Hamburger "Spiegel": "Söders schwarze Lederschuhe sind so verbeult, als würde er die Tour durch Bayerns Bierzelte zu Fuß absolvieren. Mit dem eleganten Slim-Fit-Konservativismus eines Sebastian Kurz kann Söder nicht mithalten."

Ideologisch passt zwischen CSU und ÖVP kein Blatt Papier. Beim Arbeitstreffen im Juni in Linz pries Söder die "gemeinsame Haltung im Geiste". Zu seiner Abschlusskundgebung heute Abend ist Kurz eingeladen.

Angela Merkel war als Wahlhelferin unerwünscht.

Die ÖVP wiederum unterstützt die Kandidatur von CSU-Vize Manfred Weber als EU-Kommissionspräsident: "Wir freuen uns, mit dir und für dich zu laufen" (Kurz).

Ein Wechsel, der Wunden schlug

Doch es gibt Unterschiede, die für das Elend der CSU verantwortlich sind. Das Management der Amtsübergabe von Horst Seehofer an Söder war katastrophal. Seehofer blieb Parteichef, ging aber als Innenminister nach Berlin, Söder wurde Primus in München.

Die zwei konnten nie gut miteinander, jetzt befetzen sie sich sogar auf offener Bühne.

Bei der ÖVP war der Wechsel von Reinhold Mitterlehner zu Kurz auch nicht kollegial, Schaden erlitt die Partei jedoch keinen.

In Merkels Kabinett spielt Seehofer Opposition, die Landespartei ist nachrangig. So ruinierte er den Markenkern der Bayern-Partei: zuerst das Land, dann der Bund.

Die CSU ist auch thematisch verengt. Sie redet fast nur von den Flüchtlingen, während die Wähler sich um Wohnungsnot und Schulfragen sorgen. Wolfgang Hattmannsdorfer, Geschäftsführer der oö. VP und Kenner der CSU, sagt: "Heute muss man mit einem großen Blumenstrauß antreten. Je bunter die Bevölkerung ist, desto breiter muss das Angebot sein."

Auch Kurz stand lange im Ruf, bloß ein Thema – die Migration – zu haben. Er bemüht sich nun um mehr Breite, äußert sich auch zur Sozial- und Wirtschaftspolitik.

Was er weiter vorhat, will er morgen bei einer Rede im Wiener Uniqa-Tower sagen. Laut ÖVP kommt "die Durchsage des Kapitäns, nachdem die Reiseflughöhe erreicht ist." Die CSU-Turbulenzen sollten Kurz eine Warnung sein: Ein Vorsprung ist rasch weg, wenn man sich zu sicher fühlt.

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Artikel Christoph Kotanko 12. Oktober 2018 - 00:04 Uhr
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