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Blaue Hoffnung: Burschenschafter als nächster Bundespräsident?

JERUSALEM / WIEN. „Nichts kann uns aufhalten“: Mit markigen Sprüchen strebt Norbert Hofer in die Hofburg. Er hat Aussicht auf die Stichwahl. Doch wer ganz oben mitmachen will, muss heikle Teile seiner Ideologie weich spülen.

Blaue Hoffnung: Burschenschafter als nächster Bundespräsident?

Burschenschafter Strache (Vandalia) mit Hofer (Marko-Germania), Haimbuchner (Alemannia) Bild: APA/Manfred Fesl

Ein Mitglied der deutschnationalen Burschenschaft "Vandalia Wien", einst Mitläufer bei der rechtsextremen "Wiking-Jugend", in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: Heinz-Christian Strache versucht, die Gegensätze zu vereinen.

Vergangenen Dienstag besuchte er die wichtigste Gedenkstätte der nationalsozialistischen Judenvernichtung. Es war Teil seiner Israel-Reise auf Einladung der rechten Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanyahu. Zur Delegation gehörte auch Oberösterreichs Vize-Landeshauptmann Manfred Haimbuchner.

Ziel war "die Normalisierung der Beziehungen", denn: "Wir haben nichts mit dem Nationalsozialismus und faschistischen Tendenzen zu tun", so Strache.

Israelische Diplomaten sehen dahinter eine freiheitliche Strategie: Strache möchte als mögliches Mitglied der nächsten Bundesregierung salonfähig werden.

Zu diesen Planungen gehört auch die wiederholte Distanzierung des FP-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer vom Hardcore-Deutschnationalismus.

Schmiss kann schick werden

Hofers Burschenschaft "Marko-Germania Pinkafeld" hat in einer Festschrift "die geschichtswidrige Fiktion einer österreichischen Nation" zurückgewiesen, die "seit 1945 in den Gehirnen der Österreicher festgepflanzt" worden sei.

Das erinnert an Jörg Haider, der einst Rotweißrot als "ideologische Missgeburt" bezeichnete.

So etwas passt natürlich nicht zu einem Politiker, der Bundespräsident werden will. Daher versichert der Burgenländer bei jeder Gelegenheit: "Für mich ist Österreich von meinem Gefühl her eine Nation." Es gebe den deutschen Sprach- und Kulturraum, aber "mein Vaterland ist Österreich." Gern verweist Hofer auf das gute Zusammenleben der Volksgruppen im Burgenland; im Übrigen seien solche Debatten "Kinkerlitzchen, ein Mini-Thema".

Das sieht der Historiker Hans Magenschab anders. Der76-jährige CVer ("Bajuvaria Wien") war Sprecher von Thomas Klestil und ist Autor eines dicken Buches über "Die geheimen Drahtzieher", Untertitel: "Macht und Einfluss der Studentenverbindungen".

Magenschab im Gespräch mit den OÖNachrichten: "Lange Zeit hat man geglaubt, die Burschenschaften sterben aus. Davon muss man sich verabschieden. Wenn ein Staatsoberhaupt Burschenschafter ist und ein möglicher Bundeskanzler auch, werden diese Verbindungen Zulauf bekommen. Wir kennen doch den hiesigen Opportunismus. Ein Schmiss im Gesicht kann plötzlich schick werden."

Gothia, Germania, Olympia

In der FPÖ galten die Korporierten laut Magenschab immer als die "akademische Elite".

Politisch war das völkische Verbindungswesen seit jeher weit rechts, wobei auch die Geselligkeit nicht zu kurz kam. Bis heute haben die Burschen ihren Ball.

Laut dem Wiener Politikwissenschaftler Bernhard Weidinger ist ihr Weltbild "geprägt vom deutsch-völkischen Nationalismus und einem quasi-soldatischen Männlichkeitsbild". Die Burschenschaften seien "ein anachronistisches Kuriosum, zugleich politisch hoch relevant".

Zwei Drittel der Mitglieder des FP-Bundesparteivorstandes sind Burschenschafter, von Volksanwalt Peter Fichtenbauer ("Waldmark Gmünd") über Johann Gudenus ("Vandalia Wien"), Christian Höbart ("Tauriska Baden") und Elmar Podgorschek ("Germania Ried") bis zu Bernhard Rösch ("Gothia Wien") und Harald Stefan ("Olympia Wien").

"Keine Berührungsängste"

Im Nationalrat ist jeder zweite Abgeordnete korporiert. Auch in den Landtagen sind Burschenschafter stark vertreten, z. B. durch Wolfgang Jung ("Albia Bad Ischl" und "Wiking Wr. Neustadt"). Er ist Ex-Geheimdienstler des Bundesheeres, Mitglied des Wiener Landtages und war Redner bei der rechtsextremen "Bürgerbewegung pro Köln" sowie beim "Totengedenken" am Heldenplatz.

Welcher Geist in Hofers "Marko-Germania" weht, hat das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes auf Basis ihrer Schriften analysiert.

Die Burschenschaft versteht sich "der Form nach als Studentenverbindung, dem Inhalt nach jedoch als politische Gruppe". Vereinsziel ist die Mitwirkung an einer "konservativen Revolution".

Die Pinkafelder Marko-Germanen sollten "als geschichtsbewusste Österreicher keine Berührungsängste beim Begriff ,deutsch’" haben: "Hier ist der Mut erforderlich, zur rechten Zeit unzeitgemäß zu sein" (Zitat aus den Grundsätzen der Verbindung).

Ein Präsidentschaftskandidat, der das deutsche Volkstum beschwört und an Österreich zweifelt? Norbert Hofer bestreitet das.

Wer mag, kann es glauben.

Doch ein altdeutsches Sprichwort lautet: "Misstrauen kommt nie zu früh, aber oft zu spät."

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Artikel Christoph Kotanko 15. April 2016 - 00:04 Uhr
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