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Totendenkmal versus Kunst?

Von Gunter Mayrhofer   28.April 2021

Ein Ort der Einkehr, des Gedenkens und der Erinnerung für Angehörige. Nun wurde es verbarrikadiert und verhüllt. Mit dem Hinweis versehen, dass in Steyr Waffen produziert wurden. Ein Mahnmal gegen die Gewalt. Gut! Richtig! Aber der richtige Platz?

Was folgt als Nächstes? Eine Tanzperformance am Renaissance-Friedhof? Graffiti-Kunst an unseren Wandgräbern? Oder Provokationskunst am jüdischen Friedhof? Wer trifft hier die Entscheidung?

Ein Blick ins Grundbuch zeigt, dass dieser Denkmalgrund im Besitz der Stadtpfarre Steyr ist. Nach Rückfrage bei einigen Pfarrgemeinderatsmitgliedern war klar, dass dieser seine Zustimmung nicht gegeben hat. Auf der „Bekennertafel“ fehlt auch die Beteiligung der Stadtpfarre. Auch die Stadt Steyr und das Land OÖ unterstützten diese Aktion nicht.

War es allein ein wild gewordener Religionslehrer mit Selbstdarstellungs-Sehnsüchten? Oder will uns die offensichtlich sehr weit weg von der Kirchenbasis agierende Diözese etwas mitteilen? Brauchen wir keine Orte der Einkehr, der Meditation und des Glaubens mehr? Sperren wir unsere Kirchen zu und machen Museen daraus? Ist dies ein Hinweis auf die künftige Pfarrstrukturänderung? Darüber lässt sich trefflich streiten, wie bei Kunst und Kultur oder beim guten Geschmack.

Ich bin in der Stadtpfarre praktizierendes Mitglied, Mitglied und Unterstützer im Kirchen-Restaurierungsverein. Ich bin alle Jahre bei der Allerheiligenfeier am Totendenkmal. Heuer wird sie wohl nicht stattfinden. Ich habe Karl Ramsmair noch nie bei dieser Ehrung gesehen. Darauf legt er keinen großen Wert. Schade.

Gunter Mayrhofer, Steyr

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25. Juni 2021