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Leitartikel

Spurwechsel

Von Gerald Mandlbauer 11. Mai 2019 00:04 Uhr

Jeder fünfte Österreicher pendelt mindestens 90 Minuten täglich
Der tägliche Stau gehört für viele Pendler dazu.

Oberösterreichs Verkehrspolitik vor der endgültigen Überwindung der Epoche Güterweg und Kreisverkehr.

Die vielen tausend Pendler, die sich in Oberösterreich seit Jahren staugeplagt zur Arbeit mühen, weil sie vom Auto abhängig sind, werden mit Visionen über die Mobilität von morgen wenig anfangen können.

Zu Recht erwarten sie anstelle von abstrakten Luftschlössern, dass die Politik endlich beginnt, einen selbst verschuldeten Rückstau von 20 Jahren Versäumnis abzutragen. Oberösterreich muss erst die Epoche Kreisverkehr und Güterwege überwinden, ehe es Theorien spinnen kann.

Auf dem Papier ist klar, wohin die Reise langfristig gehen muss: weg vom Auto in den Ballungsräumen. Autos werden künftig geteilt (Carsharing), in Gemeinschaftsflotten verwaltet (gepoolt) oder fahren selbst. Autoverleiher, Bahnunternehmen und sogar die Autoproduzenten arbeiten weltweit an mobilen Transportplattformen. Bis 2030 soll der Markt für selbstfahrende Shuttle-Dienste in Europa auf 200 Milliarden Euro wachsen. In großen Städten wie Berlin, London oder Paris kurven die Leute auf Mieträdern und E-Rollern durch die Straßen, Uber ist das digitale Amazon. Das Fahrrad, immerhin das wendigste, flexibelste und billigste Transportmittel in den Städten, wahrscheinlich auch das schnellste, muss sich erst seinen Platz gegen das Auto erkämpfen. In Oberösterreich spielt es eine Nebenrolle. Radwege gleichen Hindernisparcours.

Ja, und dann haben wir unsere sonstigen Schildbürgerstreiche. Hier wurden Brücken abgerissen, ohne sich über die Effekte den Kopf zu zerbrechen. Hier wurden Investitionen jahrzehntelang verschleppt und hier werden endlich (!) Brücken gebaut und erweitert, aber sie treffen (wie die OÖN diese Woche am Beispiel des Linzer Hafenviertels berichteten) mit gesteigerter Kapazität auf städtische Flaschenhälse, weil es integrierte Konzepte mangels Raum in der Stadt nicht gibt oder weil diese sich auf dem flachen Land mit der dortigen Zersiedelung nicht verwirklichen lassen. Eine Mehrzahl der Pendler hat mangels öffentlicher Dienste daher keine andere Wahl als das Auto.

Dass der Verkehr von wenigen großen Gefäßen in viele kleine und neue gefüllt werden muss, ist dennoch evident. Dabei geht es vor allem um Bewusstseinsänderung. Der ÖAMTC (er nennt sich heute Mobilitätsklub) will Pendler dazu bewegen, ihr Auto mit anderen zu teilen. Das wird es brauchen, wenn 2030, wie prognostiziert, täglich 400.000 statt der aktuell 300.000 Fahrten von und nach Linz mit dem Auto unternommen werden.

Allein auf der B1 von Linz nach Enns wird es Stillstand geben, wenn trotz vierspurigen Straßenausbaues nur 70 Prozent des umgewidmeten Grundes bebaut werden. Ähnlich im Raum Gmunden-Vöcklabruck.

Mit anderen Worten: So kann es nicht weitergehen. Und hier kommt Verkehrslandesrat Günther Steinkellner ins Spiel. Er, von nicht wenigen unterschätzt, hat viel Kritik für die Hinterlassenschaften seiner Vorgänger einstecken müssen und sich den Ball weit vorgelegt. In den kommenden Wochen könnte er jedoch überraschen. Wenn er mit dem Bund und der Stadt Linz paktieren kann, was auf dem Papier zu großen Teilen unterschriftsreif vorliegt, könnte dies den lange überfälligen Spurwechsel in Richtung des öffentlichen Verkehrs bedeuten. Steinkellner will und muss liefern.

Viele Millionen sollen in den Ausbau der Bahnstrecken gehen. Vier Bahnen sollen elektrifiziert werden (die Mühlkreisbahn bis Kleinzell, die Donauuferbahn, die Mattigtal- und Innkreisbahn).

Dazu werden Bahnhöfe und Stationen attraktiviert, es werden Lighttrain-Züge gekauft, und es wird mit den ÖBB ein neuer Infrastrukturvertrag unterschrieben. Die Achse Steinkellner – Verkehrsminister Hofer erleichtert einiges.

Zentrales Projekt dabei ist die rasche Querung der Stadt Linz mit einer städtischen Schnellbahn – und zwar von beiden Seiten des Mühlviertels kommend. Diese Schnellbahn soll es künftig ermöglichen, in 15 Minuten vom Hauptbahnhof an der Universität zu sein (und nicht wie heute in 45 Minuten). Ein Schienenring um und durch Linz könnte Realität werden. Doch dazu muss sich Linz deklarieren und Abschied von seiner zweiten Straßenbahnachse nehmen, womit wieder die Beziehung zwischen Land und Landeshauptstadt im Spiel ist. Angeblich hat sich dieses Verhältnis gebessert, die Verkehrsfrage wird es konkret zeigen.

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