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Leitartikel

Klimaschutz lagern wir gerne aus

Von Barbara Eidenberger 11. Juni 2019 00:04 Uhr

In sieben Landeshauptstädten Österreichs demonstrierten heute Schüler und Studenten für mehr Klimaschutz. In Linz versammelten sich 3000 Teilnehmer.

Gefragt sind politische Maßnahmen und individuelle Verantwortung

Dieser Satz in einer Presseaussendung der FPÖ sprang vergangene Woche ins Auge: "Für Norbert Hofer sind Klimaschutz und der von Menschen herbeigeführte Klimawandel die größten Herausforderungen unserer Zeit." Die FPÖ hat ihr grünes Herz entdeckt? Die Partei, deren Verkehrsminister – ein gewisser Norbert Hofer – streckenweise Tempo 140 auf Autobahnen eingeführt hat?

Dies sei der Witz des Tages, kommentierte Grün-Landesrat Rudi Anschober. Gut möglich, dass er in diesem Wahlkampf noch viel zu lachen hat. Denn alle Parteien haben den Klimaschutz nun für sich entdeckt.

Das Thema ist eigentlich ganz und gar nicht neu, es wurde nur geflissentlich ignoriert. Wissenschaftler predigen die verheerenden Folgen der Erderwärmung schon lange. Um den ohnehin schon überhitzten Status quo zu halten, ist es bereits zu spät. Selbst wenn die zugesagten Klimaschutzpläne umgesetzt werden, wird die Temperatur global um 2,7 Grad bis Ende des Jahrhunderts steigen.

Die freitags protestierenden Jugendlichen wurden anfangs belächelt. Statt über ihre Anliegen wurde über ihre Fehlstunden diskutiert. Greta Thunberg wurde nicht ernst genommen und mit viel Häme bedacht.

Damit ist es seit den grünen Wahlergebnissen vorbei. In Deutschland sind die Grünen laut Umfragen erstmals stimmenstärkste Partei. Klimaschutz nicht zu thematisieren, kann sich keine Partei mehr leisten.

Thunberg und die jungen Klimademonstranten haben auch eine Debatte angestoßen: In welchem Verhältnis stehen individuelles Verhalten und Klimawandel? Eine heikle Frage. Worauf verzichten wir? Welche Konsequenzen akzeptieren wir? Wie würde es aufgenommen, das GTI-Treffen am Wörthersee mit der Begründung CO2-Reduktion zu verbieten? Oder eine Absage der Airpower nicht aus Spargründen, sondern aus Klimaschutz-Gründen zu diskutieren?

Die Klimaerwärmung ist zwar mittlerweile ein entscheidendes Wahlmotiv, ein wirklich starkes Motiv, das eigene Verhalten zu ändern, ist sie offenbar noch nicht. Dies lagert man lieber an die Politik aus, soll sie sich darum kümmern.

Es wird aber beides brauchen: politische Maßnahmen und individuelle Verantwortung.

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Artikel von

Barbara Eidenberger

Redakteurin Innenpolitik

Barbara Eidenberger
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