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Leitartikel

Ein paar Cent Milchgeld zum Überleben

Von Josef Lehner 19. April 2019

Am Überleben der Bauern hängt unsere Kulturlandschaft.

Viele Menschen ärgern sich, dass in Österreich die Traktoren immer größer werden und auch die Wiesen. Dass die Bauern immer häufiger das Gras mähen und dass weniger Raum bleibt für Insekten, Vögel und Wild. Ihr Gefühl trügt sie nicht. Die OÖNachrichten haben das Problem im Vorjahr mit ihrer Bienen-Aktion thematisiert und präzisieren es heuer mit der Serie "Schau aufs Land".

Dabei geht es einerseits um den Ackerbau, der für Fauna und Flora weniger Lebensraum bietet. Der Schlüssel ist jedoch das Grünland, die Basis der Milchwirtschaft – und des frischen, natürlichen Landschaftsbildes unserer Heimat. Diese Kulturlandschaft ist aber nicht bedroht, weil die Geschäftstüchtigkeit und die Gier unter den Bauern gestiegen wären. Im Gegenteil, in den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Milchbauern um zwei Drittel auf rund 26.000 gesunken. Also konnten immer weniger Bauern ausreichend Milchgeld erwirtschaften, um ihre Betriebe abzusichern.

Wer jetzt glaubt, in diesem Strukturwandel würde Licht am Ende des Tunnels erscheinen, der irrt. Unsere Bauern mit im Schnitt 20 Kühen pro Hof müssen mit Betrieben in Nordeuropa konkurrieren, die vielfach größer sind und entsprechend bessere Kennziffern haben. Jedes Jahr geben mehrere hundert Landwirte auf und verpachten ihre Flächen an die ausharrenden Kollegen. Diese geraten trotzdem immer stärker in die Preis-Kosten-Schere, weil die Konkurrenz in den EU-Gunstlagen noch stärker wächst. Gerade jetzt ist der Preisdruck hoch (Seite 8).

Die Wirtschaftsgeschichte lehrt uns, dass viele Branchen verschwunden sind: die Erzeuger von Bekleidung, von Schuhen, von vielen Alltagswaren. Dafür bekommen wir alles billigst aus fernen Ländern. Wieso sollte das nicht bei Lebensmitteln auch klappen?

Weil es eben nicht nur um die Qualität der Nahrung geht, sondern weil damit auch das Aussehen unserer Landschaft verwoben ist, das Überleben der Dörfer, der ländlichen Lebenswelt. Und das alles hängt nur von ein paar Cent mehr pro Liter Milch ab, die unsere Bauern bräuchten, um trotz der kleinen, familiären Betriebsstruktur und der hügeligen Landschaft konkurrenzfähig zu sein und überlebensfähig zu bleiben. Das alles sollte uns bewusst sein, wenn wir über Bienen reden, die gerade aufblühende Natur bestaunen. Sonst ist alles bloß Heuchelei.

Artikel von

Josef Lehner

Redakteur Wirtschaft

Josef Lehner
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