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Leitartikel

Der Trainer hat unser volles Vertrauen

Von Wolfgang Braun 07. Juni 2019 00:04 Uhr

SP-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner

Pamela Rendi-Wagner und die Spirale nach unten.

Wir stehen zu hundert Prozent hinter dem Trainer." Diesen Satz kennt man aus dem Fußballgeschäft. Unzählige Klub-Präsidenten haben ihn schon benutzt, wenn ihre Mannschaft eine hartnäckige Formkrise hatte. Erfahrene Trainer wussten, dass dieser Satz das bedrohlichste Alarmsignal und oft der Anfang vom Ende ist.

Die Politik ist nicht Fußball – sie ist viel härter. Daher sind Unterstützungserklärungen, wie sie SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in den vergangenen Tagen von roten Granden immer wieder erhalten hat, nicht beruhigend.

Klar war bei jeder dieser Beteuerungen: Findet man in der Sozialdemokratie eine Frau oder einen Mann, mit dem man sich noch Chancen ausrechnen würde, bei der Wahl im September um den ersten Platz mitzureden, werden dieselben Granden alles unternehmen, diese Persönlichkeit auch auf den Schild zu heben.

Das Vertrauen in Rendi-Wagner wurde in Rekordzeit pulverisiert. Die Ibiza-Affäre war ein Geschenk für die SPÖ – aber sie hat es nicht einmal ausgepackt. In den Stunden und Tagen nach Bekanntwerden des Videos offenbarte sich eine strategische Orientierungslosigkeit, die demaskierend war. Rendi-Wagner fehlten politische Erfahrung, Instinkt und Entschlossenheit, um diese einmalige Gelegenheit zu nutzen – und sie hatte in ihrem engeren Umfeld offenbar niemanden, der diese Mängel erkannte und kompensieren konnte. Daher heißt es jetzt für die SPÖ Pannenstreifen statt Überholspur – ein Eigentor, das viele rote Basis-Funktionäre verzweifeln lässt.

In dieser Verfassung in einen Wahlkampf zu gehen, ist fatal. Dazu kommen Versäumnisse, für die Rendi-Wagner nichts kann. Dass die Bundespartei seit langem träge ist und das Handwerk der Kommunikation nicht beherrscht, hat nicht erst in ihrer Zeit als Parteichefin begonnen. Hier hat sich mit den Jahren im Bund, aber auch in vielen Landesparteien – vor allem in Oberösterreich – eine Spirale nach unten in Gang gesetzt, die die Schlag- und Überzeugungskraft der Partei unterminierte.

Pamela Rendi-Wagner war eine angesehene Gesundheitsministerin, und sie ist mit viel Elan in das Abenteuer Parteichefin gestartet. Aber jetzt ist sie an den gefährlichen Punkt gelangt, an dem in der SPÖ nicht mehr mit ihr, sondern nur noch über sie diskutiert wird.

Artikel von

Wolfgang Braun

Stellvertretender Chefredakteur, Leiter Politikredaktion

Wolfgang Braun
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