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Kotankos Corner

Nicht alles Walzer: Was Bälle mit Business und Politik zu tun haben

Von Christoph Kotanko   01. März 2019

Nicht alles Walzer: Was Bälle mit Business und Politik zu tun haben
Der nobelste von allen: Ball der Wiener Philharmoniker im Musikverein.

WIEN. Donauwalzer, Radetzkymarsch, "Brüderlein fein" aus "Der Bauer als Millionär" von Ferdinand Raimund: Mit diesen drei Stücken beendet das Orchester traditionsgemäß den Opernball.

Es ist fünf Uhr früh, in den Logen ist der Sekt schal geworden, die meisten der 5150 Gäste haben das Haus am Ring schon verlassen. Viele gingen müde, aber zufrieden. Für geschäftliches und politisches "Networking" oder "Socialising" (wie man das Zusammenreden heute nennt) ist der Opernball eine gute Gelegenheit.

Allerdings nicht die beste. Routinierte Ballgeher beklagen eine Überdosis Lugner, im Opernhaus knistert auch viel Halbseide. Der nobelste aller Bälle ist jener der Philharmoniker im Musikverein, berühmt für diskrete Tischgesellschaften und die schrille Quadrille. Eine Parterreloge für zehn Personen kostet 14.500 Euro, ein mittelprächtiger Sitzplatz an einem Sechsertisch 480 Euro.

Die besten Geschäfte werden beim Techniker-Cercle (offiziell: "Ball der Industrie und Technik") gemacht. Wer Rang und Namen hat, ist beim Einzug der Ehrengäste dabei: Repräsentanten aus Industrie und Wirtschaft, Minister, Diplomaten, Rektoren, Mäzene.

"Sehr oft kann man den Gesellschaftsfaktor nicht vom Businessfaktor trennen", sagt Wolfgang Rosam, einer der am besten vernetzten PR-Berater des Landes. "Ich sehe darin kein Problem. Ein bisschen Socialising hat dem Geschäft noch nie geschadet. Dass man nicht übertreiben darf, regeln die Compliance-Vorschriften. Aber man will sich mit Geschäftspartnern einmal auf anderer Ebene treffen und unterhalten."

Wie intensiv die Beziehungspflege ist, zeigte wieder die Gästeliste des diesjährigen Opernballs. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck hatte den deutschen Ex-Kanzler Gerhard Schröder mit seiner fünften Ehefrau Soyeon Kim zu Gast, weiters BMW-Chef Harald Krüger, Infineon-Chef Reinhard Ploss und OMV-Boss Rainer Seele. Selbstverständlich prunkten auch hochrangige Politiker aus Deutschland, Tschechien, Serbien, Ungarn mit ihren Orden.

"Bälle als Wettbewerbsvorteil"

Thomas Schäfer-Elmayer hat den Dreivierteltakt im Blut. Er betreibt "den Elmayer", die berühmteste Tanzschule Österreichs, und ist eine Autoriät in Fragen der Etikette. Der gebürtige Salzburger sagt im OÖN-Gespräch: "Die Ballfeste bieten großartige Gelegenheiten, mit Geschäftspartnern unvergessliche Stunden zu verbringen, die wertvoll für die Festigung der Geschäftsbeziehungen sein können. Im Vordergrund steht der festlich-amüsante Abend." Dabei könne man sich "abseits der Besprechungszimmer näherkommen".

Selbstverständlich hätten solche Kontakte "erheblichen Einfluss auf die geschäftlichen Beziehungen. Der Nutzen wird allerdings minimiert, wenn zu viel über das Geschäft gesprochen wird."

Heimische Geschäftsleute haben laut Schäfer-Elmayer "den unschätzbaren Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten, dass sie ihre Kunden beinahe zu jeder Jahreszeit zu einem Ball einladen können. Dies nicht zu nutzen, wäre unklug."

Geheimtipp Elmayer-Kränzchen

Er hat im Übrigen seinen eigenen Ball, das Elmayer-Kränzchen.

Am Faschingsdienstag treffen die Eltern und Verwandten der 600 Mitglieder des Eröffnungskomitees aufeinander. Schäfer-Elmayer: "Für das Networking ist unser Ball daher ein Geheimtipp. Unter unseren 3000 Gästen sind außergewöhnlich viele erfolg- und einflussreiche Persönlichkeiten."

Beliebt bei Politik und Wirtschaft sind auch rustikale Tanzereien wie der Jägerball, den der "Verein Grünes Kreuz" veranstaltet, der Oberösterreicher-Ball im Rathaus oder der Steirerball.

Wenn die Jagdhornbläser loslegen, wird in mancher Loge nicht nur über Fuchs und Hase geredet.

Ob im Frack, im Smoking oder in Tracht: Es geht eben auch – wie Rosam es nennt – "um die Optimierung der Vertrauensbasis".

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