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Kotankos Corner

Früher war mehr Lametta: Die Polit-Pläne heutiger Habsburger

Von Christoph Kotanko   03. Januar 2014 00:05 Uhr

Früher war mehr Lametta: Die Polit-Pläne heutiger Habsburger
28. Juni 1914, Sarajevo: Das Thronfolgerpaar kurz vor dem tödlichen Attentat.

WIEN. Das Attentat in Sarajevo 1914 war der Anfang vom Ende der Habsburger. Einige Familienmitglieder haben wieder politische Ambitionen.

Mit dem Schülerausweis bekam Gabriela Habsburg-Lothringen ermäßigten Eintritt in Schönbrunn. Aber zahlen musste sie. "Es war ein großes Amüsement zu sehen, wie sich ein System verhält gegenüber einer Familie, die mit Sicherheit in Wien die Basis jedes touristischen Einkommens stellt", mokierte sich die Bildhauerin später über ihren ersten Heimatbesuch als Schülerin 1971.

2010 wurde die Kunstprofessorin, die georgische Staatsbürgerin ist, Botschafterin ihres Landes in Deutschland. Den Job in Berlin hatte sie bis vor kurzem, jetzt lebt sie meist am Starnberger See.

500 Mitglieder hat derzeit die ehemalige Herrscherfamilie. 280 wohnen laut dem Chef des Hauses, Karl Habsburg, in Österreich.

Wie keine andere Dynastie lenkten die Habsburger jahrhundertelang Europas Geschicke. Sie stellten die deutschen Könige und römisch-deutschen Kaiser und wurden zum Inbegriff der Monarchie.

1914 wurden Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau von einem Mitglied einer jugoslawisch-nationalistischen Bewegung ermordet. Nach dem Zusammenbruch 1918 verzichtete Kaiser Karl I. auf "jeden Anteil an den Staatsgeschäften".

Zur Fischer-Nachfolge bereit

Bis 16. Juni 2011 waren "Angehörige regierender oder ehemals regierender Familien" vom passiven Wahlrecht zum Bundespräsidenten ausgeschlossen. An diesem Tag hob der Nationalrat das Verbot auf. Vorausgegangen war eine Verfassungsbeschwerde von Ulrich Habsburg-Lothringen, Gutsbesitzer und grüner Gemeinderat in Wolfsberg (Kärnten), sowie seiner Schwiegertochter Gabriele Habsburg-Lothringen, geborene Wetschnig. Die Initiative zur Gesetzesänderung kam vom damaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen.

Bei der nächsten Bundespräsidentenwahl in zwei Jahren kann Ulrich Habsburg kandidieren. Er ist dazu bereit, wie er im Gespräch mit den OÖNachrichten betont.

Habsburg: "Wenn mich eine der größeren Parteien aufstellen sollte, kann ich mir ein Antreten vorstellen. Am liebsten wäre mir die SPÖ. Dann könnte ein Bundespräsident Habsburg zur 100-Jahr-Feier der Republik Frieden mit der Familie schließen."

Würde er für die ÖVP kandidieren? "Mit der ÖVP verbindet mich weit weniger als mit der SPÖ", sagt Ulrich Habsburg. "Der Waldner (Wolfgang Waldner, Kärntner VP-Landesrat) lädt mich zwar überall ein. Aber schon zu Buseks Zeiten hat die ÖVP versucht, die Adeligen einzufangen. Das wurde von einer breiten Mehrheit abgelehnt."

Einen Ruf der Grünen erwartet Habsburg, derzeit ihr Ersatzgemeinderat, nicht. "Ich bin grünes Urgestein, aber früher war die Partei mit Van der Bellen bürgerlich. Heute sind das Linksgrüne."

Und die FPÖ? "Das ist nach Aussagen eines Kärntner FPÖ-Stadtrates nicht unmöglich. Doch ich brauche politische Freiheit. Da hätte ich mit der FPÖ ein Problem."

Während Ulrich Habsburg, der aus der "toskanischen Linie" stammt, zum Einstieg in die Politik bereit ist, hält sich das amtierende Familienoberhaupt zurück.

"Ich bin heilfroh, dass ich ein halbwegs ruhiges Leben führen kann", erklärt Karl Habsburg (53). Er ist nach einem Ausflug in die Politik (VP-EU-Abgeordneter 1996–99), einem kleinen Spendenskandal und einem Finanzstrafverfahren in osteuropäischen Mediengeschäften unterwegs.

Karl Habsburg hält die EU für die Fortsetzung des habsburgischen Vielvölkerstaates. - Weitere Irrtümer sind nicht überliefert.

Zvonimir: Kart statt Kaiser

Ernsthaft sind die Ambitionen von Walburga Habsburg Douglas. Sie ist die jüngste Tochter Otto von Habsburgs, mit einem schwedischen Grafen verheiratet und seit 2006 Abgeordnete im schwedischen Reichstag. Am 19. August 1989 organisierte sie das Paneuropäische Picknick an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Damals wurde zum ersten Mal der Stacheldrahtzaun aufgeschnitten.

Walburga Habsburg könnte in der "Moderaten Sammlungspartei" höher steigen. Im heurigen Herbst kandidiert sie wieder für das schwedische Parlament.

Georg Habsburg ist Ottos jüngster Sohn, lebt in Budapest und ist Präsident des ungarischen Roten Kreuzes. Bei der EU-Wahl 2009 kandidierte er für das konservative "Demokratische Forum", Mandat gab es keines. Bei den EU-Beitrittsgesprächen war er "Sonderbotschafter" seiner Wahlheimat.

Gemäß der Tradition steht Georg an zweiter Stelle bei der Nachfolge als "Oberhaupt des Hauses". Erster ist Karls Sohn Ferdinand Zvonimir, geboren 1997. Dass er den Vornamen Zvonimir (nach König Zvonimir von Kroatien) bekam, sorgte in Kroatien für Aufsehen. Doch Restaurationsbestrebungen auf dem Balkan wären absurd. Der blaublütige Teenager hat andere Ziele. Er ist Kart-Rennfahrer beim kleinen Salzburger Rennstall Lechner. Heuer steigt er in die "Formel Renault" auf.

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