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Haiden am Donnerstag

Wir tun’s nie wieder?

Von Christine Haiden 23. Mai 2019 00:04 Uhr

Es müsse ein moralischer Neustart her, versichert der neue FPÖ-Chef.

Wo kann die Änderung beginnen? Fangen wir harmlos an, zum Beispiel beim übermäßigen Alkoholkonsum, der in den einschlägigen Männerbünden so glorifiziert wird. So lange eine "b’soffene G’schicht" noch als Entschuldigung herhalten muss, ist der Lerneffekt gering. Saufen ist nicht männlich, sondern mündet im schlechtesten Fall in eine Staatskrise.

Apropos männlich. Der Psychologe Volker Ellis Pilgrim hat in den 1980er Jahren in seinem Buch "Muttersöhne" untersucht, wie gefährdet die Entwicklung der Identität von Männern ist, die zu stark an ihre Mutter gebunden sind. Wer nicht erlebt, was einen Mann im positiven Sinn und mit innerer Stärke ausmacht, setze auf Macht, Prahlerei, Frauen, Alkohol oder Militär und seltsame Statussymbole. Sie sollen überdecken, dass da jemand eigentlich Zuwendung und Liebe sucht, oft von einem abwesenden Vater. Sehnsüchte, die nicht erfüllt werden, lösen zerstörerische Verhaltensweisen aus. Wer so gepolt ist und auch noch Macht hat, ruiniert am Ende nicht nur sich selbst, er reißt meist andere mit. Kann sein, dass die These einseitig ist, aber Straches Fall erinnert daran. Es bleibt die Frage, warum Menschen mit zerstörerischer Dynamik für andere so interessant sind. Was trifft es bei ihnen, wenn gegen andere gehetzt wird? Sehen sie ihren eigenen Selbstwert auf diese Art genährt? Warum sind autoritäre Verhaltensweisen anziehend, selbst wenn sie jedermanns Freiheit einschränken? Es ist nur attraktiv, seine Moral zu ändern, wenn die bisherige kein Echo mehr findet. Das beginnt individuell. Johann Gudenus hat in einem Interview erzählt, dass er sich nach diesem Ibiza-Ausflug während einer schweren Krise psychotherapeutisch helfen hat lassen. Heute erkenne er "mit Scham und Bedauern", was er in dieser Zeit aufgeführt habe.

Das ist bemerkenswert, weil es dem propagierten Männerbild widerspricht. Läuterung, wie das in der Moral heißt, ist zumindest ein Anfang von Veränderung. Es wurde nicht nachgefragt, ob er das auch auf seine politischen Aussagen und Meinungen bezieht. Das wäre die echte Läuterung. Wer gegen andere hetzt, lebt meistens mit sich selbst auch nicht gut zusammen. Den moralischen Neuanfang wird man daran messen, ob es endlich wieder freundlicher wird in unserem Land. Wer Respekt von anderen verlangt, muss ihn selbst vorleben. Moral folgt der Haltung. Bleibt die gleich, ist das Versprechen schon jetzt gescheitert. Wenn die FPÖ etwa bei der Aufdeckung verdeckter Parteienfinanzierung nicht mithilft, ist die Einsicht ausbaubar. Und der "beste Innenminister aller Zeiten"? Herbert Kickl hat im Abgang den Asylwerbern noch einen Schienbeintritt verpasst. Das schaut noch nicht nach Neuanfang aus, von Läuterung oder Einsicht ganz zu schweigen.

 

Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Welt der Frauen". christine.haiden@welt-der-frauen.at

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