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Serviert

Die Hackordnung spüren lernen

Von Julia Evers  14. April 2022 00:04 Uhr

Das Leben hat sich geändert, seitdem es wieder modern geworden ist, Hühner selbst zu halten.

Sonnenschein im Gesicht, ein Glas Sprudelwasser mit Grünzeug in der Hand, einen freundlichen Herrn neben mir und drei Hendln rundherum.

So sitzen wir auf einem original 80er-Jahre-Klapp-Liegebett im Garten und plaudern, als ich plötzlich einen scharfen Schmerz im Mittelfuß spüre. Ein Huhn hatte sich angeschlichen, von hinten, war unter dem Liegebett in Richtung meines Fußes gerobbt – so stelle ich mir diese Attacke zumindest vor – und hat dann drauf los gehackt. Ich kreische und halte mir den Fuß. Der ehemals freundliche Herr neben mir vergießt fast sein Sprudelwasser vor Lachen, das Huhn wackelt von dannen, als wäre nichts geschehen. Hat es mich in der Hackordnung unter sich stehend eingeordnet, offensichtlich. Immerhin bin ja auch ich in seinen Lebensraum eingedrungen, uneingeladen und ohne Gastgeschenke.

Keine Frage, das Leben hat sich geändert, seitdem es modern geworden ist, Hühner selbst zu halten. "Ein paar von alten Sorten, wegen der Eier, für die Kinder", sagen die Menschen, die die fedrigen Haustiere haben, und erzählen sich gegenseitig Geschichten von unheilvollen Nächten, in denen sich die Tür zum Hühnerstall, die sich automatisch bei Dunkelheit schließt, vom Vollmond wieder geöffnet wurde und der Marder darin ein Blutbad hinterlassen hat.

Diese Haushendl sind nicht die einzigen Alternativen zu den Eiern jener Hühner, die in Fabriken und Legebatterien schrecklichem Leid ausgesetzt sind. Bauern, die ihre Ware ausfahren, Eier-to-go-Abholstationen auf dem Bauernhof – wer will, kann in unseren Breiten Eier holen, die von glücklichen Hühnern abstammen.

Überhaupt Eier: Überall lachen sie aus den Regalen und Schaufenstern, bunt gefärbt und glänzend warten sie darauf, dass der Osterhase sie versteckt, damit sie begeisterte Kinder dann aufspüren können. Doch Eier sind auch jenseits der Frühlingszeit ein großartiges Lebensmittel – eignen sich perfekt, um in Frühstücks- und Hauptgerichten die Haupt- oder wichtigste Nebenrolle zu spielen, und selbst wenn sie sich im Hintergrund halten, wie in den vielen Süßspeisen, sind sie dennoch schwer ersetzbar.

Dank Stempel auf dem Ei verrät sich die Herkunft: Beginnt die Zahl mit einem Nuller, kommt es aus Bio-Freilandhaltung, 1 steht für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung, Käfighaltung ist hierzulande verboten. Bei verarbeiteten Lebensmitteln wie Kuchen und Nudeln sollte man vertrauenswürdige Produzenten wählen, denen die glücklichen Hühner ein Anliegen sind. Und wenn die in der Nähe sind, besser die Füße hochziehen.

Artikel von

Julia Evers

stv. Leiterin Leben und Gesundheit

Julia Evers

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