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Haus der Zukunft: Keine Emissionen, zu 100 Prozent recycelbar

12.Juni 2021

Haus der Zukunft: Keine Emissionen, zu 100 Prozent recycelbar
90.000 Häuser müssten in der EU wöchentlich renoviert werden.

Rund 25 Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen stammen laut einem Bericht der Dachorganisation der nationalen Wissenschaftsakademien in der EU (EASAC) von Gebäuden. Um ihre Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen, müssten die EU-Länder sicherstellen, dass alle 250 Millionen bestehenden und alle neuen Gebäude in der EU nahezu keine Treibhausgase mehr emittieren.

Die Forscher fordern daher weitreichende politische Maßnahmen und Investitionen. Laut dem Bericht der EASAC, der auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) angehört, haben rund drei Viertel der Gebäude in der EU eine schlechte Energiebilanz. Derzeit würden jährlich zwischen einem und 1,5 Prozent des europäischen Gebäudebestands renoviert, was nicht ausreiche, so der Energieexperte Brian Norton, Co-Vorsitzender einer EASAC-Arbeitsgruppe. "Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, sollte diese Rate zwei- oder sogar dreimal so hoch sein", betonte William Gillett, Direktor des EASAC-Energieprogramms, "in der gesamten EU müssten wir mehr als 90.000 Häuser pro Woche renovieren."

Den Forschern zufolge hat sich die Politik lange auf das Konzept der "Fast-Null-Energie-Gebäude" konzentriert und den Schwerpunkt auf die Reduzierung des Energieverbrauchs gelegt.

Bei der Berechnung der Klimaauswirkungen von Gebäuden müssten zusätzlich die massiven Emissionen der Bauindustrie und der Lieferketten mit einbezogen werden. "Ein Gebäude zu renovieren, um seinen Energieverbrauch zu senken, ergibt wenig Sinn, wenn es keine Kontrolle über die kohlenstoffintensiven Materialien und Komponenten gibt, die für die Renovierung verwendet bzw. über weite Strecken transportiert werden."

Kein Abreißen und Aufbauen

Zudem plädieren die Wissenschafter für einen Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, um den Ressourcenverbrauch und Kohlenstoff-Fußabdruck von Gebäuden zu reduzieren. "Viele Baumaterialien können wiederverwendet, recycelt und zurückgewonnen werden", so Norton. Die Forscher sprechen sich auch für die Renovierung bestehender Gebäude aus, stecke doch in jedem Gebäude eine Menge Kohlenstoff, vor allem im Beton und Stahl. "Wir müssen die derzeitige Praxis stoppen, Strukturen abzureißen, um sie von Grund auf neu zu bauen", erklärte Norton.

Die von den Forschern vorgeschlagene Renovierungswelle würde die Zahl der Arbeitsplätze in der europäischen Bauindustrie von derzeit 3,4 Millionen Arbeitnehmern verdoppeln, heißt es.

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