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Ein Helikopterflug mit der Seilbahn

Von Gary Sperrer   15.Februar 2020

Ein Helikopterflug mit der Seilbahn
Von der Schmittenhöhe bietet sich ein 360-Grad-Rundumblick auf Dutzende Dreitausender.

Die allererste Seilbahn, die im Salzburger Land gebaut wurde – als insgesamt fünfte in Österreich –, entstand auf der Schmittenhöhe bei Zell am See. Am 31. Dezember 1927 wurde sie eröffnet. Aus der damaligen Aufstiegshilfe wurde im Lauf der vergangenen 93 Jahre ein ganzer Verbund. Heute gehört das Skigebiet Zell am See-Kaprun, zu dem auch die Schmittenhöhe zählt, zu den größten Österreichs, ja sogar ganz Europas. Die Saison dauert hier von Oktober bis Mai, die Schneesicherheit beträgt 100 Prozent, und die in Summe 408 Pistenkilometer, die sich auf Kitzsteinhorn, Schmittenhöhe und Saalbach bis hin nach Fieberbrunn und Leogang verteilen, können mit einem einzigen Skipass, der Ski Alpin Card, genossen werden.

Überhaupt nahm die Schmittenhöhe dank der hiesigen Pioniere schon immer so etwas wie eine Vorreiterrolle ein. Sepp Pichler, bei der Schmittenhöhebahn AG für Pisten und Wege zuständig, erzählt: "1968 haben wir hier das erste Pistengerät bekommen, einen Ratrac. Die ersten Beschneiungsversuche waren etwa 1973. Ab 1976 gab es eine Schneeanlage. Die erste größere Anlage ist 1987/88 gebaut worden."

Heute gebe es hier 189 Propellerkanonen, 320 Beschneiungslanzen und insgesamt 16 Pumpstationen. "Wir bringen es auf 800 Liter pro Sekunde tatsächliche Beschneiungsleistung, wenn wir voll fahren", sagt Pichler. "Das ist eine Dimension mit sehr vielen Arbeitsplätzen. Ich selbst bin bereits für 38 Leute zuständig, nur was den Pistendienst anbelangt – Pistenrettung, Beschneiung und Präparierung. Wir haben 15 Pistenmaschinen. Das ist schon ein gewaltiger Industriezweig geworden. Wir hoffen, dass wir unsere positive Emotion zu den Gästen rüberbringen."

Ein Helikopterflug mit der Seilbahn
Mutig: Die schwarze Piste „Black Mamba“ ist mit ihren 63 Prozent Gefälle ziemlich giftig.

Investitionen machten sich bezahlt

Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhebahn AG, stößt in dasselbe Horn. Es sei enorm viel investiert worden, vor allem in den jüngsten Jahren. "Bezahlt haben sich diese Investitionen in jedem Fall gemacht", so Egger, der neben dem "zellamseeXpress" ein weiteres Beispiel nennt: "Vor zwei Jahren haben wir den areitXpress erneuert, die erste Sektion der Areitbahn. Das war in den vergangenen Jahren immer schon ein Engpass und hat eigentlich Gäste abgehalten, weil es lange Wartezeiten gegeben hat – vor allem am Anfang des Tages." Die neue Bahn habe "wahnsinnig gut" eingeschlagen. Egger: "In Summe sind es jetzt mehr als 6000 Gäste, die pro Stunde von dort wegtransportiert werden." Die weiterführenden Bahnen eingerechnet.

Zum Skifahrerischen: Allein auf der Schmittenhöhe sind es 28 Seilbahnen und Lifte, die die Wintersportler auf bis zu 2000 Meter Höhe bringen. Eine Herausforderung für jene, die sich trauen, ist die "Trass"-Abfahrt, eine der fünf langen Talabfahrten, mit einer Höhendifferenz von 1000 Metern und einer Neigung von bis zu 70 Prozent. Diese "schwärzeste" Piste der Region ist jedes Jahr Austragungsort des legendären Trasslaufes, an dem schon alpine Skigrößen wie Hermann Maier teilgenommen haben.

Ein Helikopterflug mit der Seilbahn
Traumhaft: das Gletscherskigebiet am Kitzsteinhorn

Die Schmittenhöhe ist seit Anfang dieser Wintersaison dem Zusammenschluss mit dem Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn einen bedeutenden Schritt näher gekommen. Denn neben den drei bekannten Einstiegsmöglichkeiten in Zell am See gibt es seit vergangenem Dezember auch eine neue Talstation im Glemmtal. Mit der Fertigstellung der unteren Sektion des "zellamseeXpress" wurde der Zugang zum Skigebiet Schmittenhöhe erstmals auch vom Glemmtal aus, genauer gesagt von Viehhofen, möglich. Zurück in den Skicircus kommt man in nur wenigen Minuten mit einer Skibusverbindung.

Kein Entweder-oder mehr

Ebenfalls per Skibus-Shuttle gelangt man von Zell am See nach Kaprun, wo sich das Familienskigebiet Maiskogel und das Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn befinden. Bis vor kurzem gab es nur ein Entweder-oder. Um aufs Kitzsteinhorn zu gelangen, musste man ins Kapruner Achental zur Talstation der Gletscherbahnen fahren. Von dort ging es per Seilbahn in die höheren Regionen. Oder man blieb draußen im Ort und fuhr auf den Maiskogel. Nun sind die beiden Skigebiete mit einem Wunderwerk der Technik verbunden. Der Maiskogel bietet ja bereits seit Dezember 2018 mit der "MK Maiskogelbahn", einer neuen Zehner-Kabinen-Einseilumlaufbahn, höchsten Komfort. Am 30. November des Vorjahres nahm dann die hochmoderne, in dieser Bauart bisher weltweit einzigartige "3K K-onnection", die erste Dreiseilumlaufbahn Salzburgs, den Betrieb auf und verbindet den Maiskogel und das Kitzsteinhorn, bis zu dessen 3029 Meter hoch gelegener Gipfelstation die Gäste mit einer an eine Perlenkette erinnernden Aneinanderreihung von sechs Seilbahnen gelangen können. Diese insgesamt zwölf Kilometer lange Panoramafahrt ist nicht nur die längste durchgehende Seilbahnachse in den Ostalpen, sondern überwindet mit 2261 Höhenmetern auch die größte Höhendifferenz.

Ein Helikopterflug mit der Seilbahn
Die Seilbahn 3K K-onnection verbindet den Maiskogel mit dem Skigebiet Kitzsteinhorn.

Nur Fliegen ist schöner

Dass die Kitzsteinhorn-Besucher nun nicht mehr ins Tal zurückfahren müssen, sondern bereits in Kaprun in die Seilbahn einsteigen können, erspare sagenhafte 1,5 Millionen Autokilometer pro Jahr, sagt Norbert Karlsböck, Vorstandsdirektor der Gletscherbahnen Kaprun AG. Gemeinsam mit ihm dürfen die OÖNachrichten eine Fahrt in der neuen, hypermodernen "3K K-onnection" unternehmen.

Karlsböck nennt Details dieser von der Firma Doppelmayr gebauten Seilbahn: Jede der 32 Kabinen fasst 32 Personen. Von der Bergstation der Maiskogelbahn in 1570 Metern Seehöhe geht es mit fast 30 km/h und dennoch unglaublich ruhig über eine Fahrdistanz von 4,3 Kilometer zur 1975 Meter hoch gelegenen Bergstation Langwied. Dazwischen liegen gerade einmal sechs Seilbahnstützen und eine atemberaubende Gegend. Bis zu 92 Meter über dem Erdboden dahinrauschend, meint man nicht in einer Seilbahngondel zu sitzen, sondern in einem Hubschrauber zu fliegen. An einer bestimmten Stelle sieht man sogar die Gipfelregion des Großglockners.

In weniger als zehn Minuten ist die Bergstation erreicht. Direktor Karlsböck führt uns in Räume, für die normalerweise Zutrittsverbot herrscht. Hier kann man einen Teil jener Technik bewundern, die die "3K K-onnection" antreibt. Es geht weiter – hinauf bis auf 3029 Meter. Unterhalb des Kitzsteinhorn-Gipfels liegt das "Top of Salzburg", der höchste auf einfachem Weg zu erreichende Punkt des Bundeslandes. Hier wurde Anfang der 1970er-Jahre ein Stollen in den Fels geschlagen, in dem Skifahrer von der Bergstation hinaus auf die Piste gleiten konnten. Mittlerweile wurde daraus eines der ungewöhnlichsten Museen Österreichs: die "Gipfelwelt 3000" – eine Erlebniswelt mit Nationalpark Gallery, Kino und der Möglichkeit, in dem alten Stollen Neues zu entdecken. Das Ende dieser unterirdischen Wanderung ist eine Tür. Wer daraus ins Freie tritt, steht inmitten einer Landschaft, die so grandios und faszinierend ist wie die Technik, die einen hierhergebracht hat.

Steile schwarze Mamba

Das Gletscherskigebiet nur wenige Meter unterhalb des Kitzsteinhorns ist eines, in dem sich gute und sehr gute Skifahrer wohlfühlen werden. Größte Herausforderung ist wohl die schwarze Piste "Black Mamba" mit ihren 63 Prozent Gefälle. Auch die Spezialisten für Ausgefalleneres kommen auf ihre Rechnung, denn am Kitzsteinhorn gibt es drei Snowparks inklusive Österreichs größter Superpipe, fünf übersichtlich beschilderte Freeride-Routen samt Powder Lines, Cliff Jumps und natürlichen Pipes sowie Karten und Infos zu Steilheit, Gefahren und den schönsten Lines an jedem Routen-Einstieg. Der müde Sportler betritt hingegen das Gipfelrestaurant und blickt auf die umliegenden Berge. Satt essen kann man sich hier, satt sehen hingegen nicht.

Zell am See-Kaprun

 

3203: So viele Meter hoch ist das Kitzsteinhorn (Bild), der höchste Berg im Gemeindegebiet von Kaprun. Der pittoreske Gipfel ist sowohl im Sommer als auch im Winter ein Anziehungspunkt für Bergsteiger und Tourengeher. Am schnellsten geht die Ersteigung von der 3029 Meter hoch gelegenen Bergstation der Seilbahn.

Zell am See und Kaprun sind die Namensgeber der Region. Während die Stadt Zell rund 10.000 Einwohner zählt, leben in der Gemeinde Kaprun gut 3000 Menschen. Hausberge sind die Schmittenhöhe, von wo sich ein 360-Grad-Rundumblick auf mehr als 30 Dreitausender bietet, bzw. das Kitzsteinhorn mit dem dank Seilbahn höchsten für jedermann erreichbaren Punkt im Salzburger Land, dem „Top of Salzburg“ auf 3029 Meter Seehöhe samt äußerst empfehlenswertem Restaurant.

Skigebiete: Im Ticketverbund „Ski Alpin Card“ von Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn, Schmittenhöhe in Zell am See und Kitzsteinhorn Kaprun mit dem Familienskigebiet Maiskogel gibt es insgesamt 408 Pistenkilometer (inklusive Gletscher). Die in Summe 121 Seilbahn- und Liftanlagen weisen eine Gesamtförderleistung von mehr als 237.000 Personen pro Stunde auf. Seit Ende November sind die Skigebiete Maiskogel und Kitzsteinhorn mit der weltweit bisher einzigartigen Dreiseil-Umlaufgondelbahn „3K K-onnection“ verbunden.

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04. Juni 2020