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Gesundes Essen macht glücklich!

Von Ulrike Griessl   18.April 2019

Gesundes Essen macht glücklich!
Gesundes Essen hält nicht nur den Körper gesund, sondern tut auch dem Gemüt gut.

Schokolade und Nudeln machen glücklich – jedenfalls kurzfristig. Das weiß jedes Kind. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass zu viel Schokolade und Süßes der Psyche schaden, wie Ernährungsforscher herausgefunden haben. Lebensmittel wie etwa Gemüse, Nüsse und Obst können das Gemüt hingegen positiv beeinflussen.

Wie verschiedene Lebensmittel das Seelenleben beeinflussen, beobachtet die Internistin und Ernährungmedizinerin Doris Engertsberger vom Linzer Kepler Universitätsklinikum seit vielen Jahren bei Patienten, die an Essstörungen leiden. Im OÖN-Interview erklärt sie, welche Speisen Glücksbotenstoffe im Gehirn freisetzen und welche der Psyche schaden, wenn sie zu häufig am Speiseplan stehen.

 

OÖNachrichten: Lässt sich das Gemüt tatsächlich von Lebensmitteln beeinflussen ?

Ja, absolut. Wenn jemand an Depressionen leidet, kann gesunde Ernährung Antidepressiva zwar nicht ersetzen, aber mit einer abwechslungsreichen und gesunden Kost kann man zur Prävention von Depressionen beitragen.

Wie wirkt Nahrung auf die Psyche?

Gesunde Lebensmittel wie zum Beispiel Wal-, Hasel- und Cashewnüsse enthalten Tryptophan, das die Produktion des Glücksbotenstoffes Serotonin ankurbelt. Auch Omega-3-Fettsäuren wie etwa Leinöl oder Fischöl wirken sich, wie viele Studien beweisen, positiv auf die Nervenzellen aus. Sie haben eine entzündungshemmende Wirkung, die diese gesund halten.

Welche Lebensmittel wirken sich außerdem gut auf die Stimmung aus?

Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst und Vollkornprodukte, aber auch Kartoffeln und Mais kann ich empfehlen. Gewürze wie Kurkuma oder Safran wirken sich ebenso positiv auf die Stimmung aus. Wichtig ist zudem, dass man sich ausreichend mit den B-Vitaminen versorgt, die zum Beispiel in Kakao, Eiern, Topfen, Käse und Leber enthalten sind. Wer viele der genannten Lebensmitteln in seinen Speiseplan einbaut, senkt die Gefahr, eine Depression zu erleiden. Auch Tees wirken sich übrigens gut auf die Psyche aus, so zum Beispiel Kräuter- und Melissentee.

Wie wichtig sind Kohlenhydrate für die Psyche?

Diese Frage ist angesichts der derzeit so populären Low-Carb-Ernährungsformen wesentlich. Denn bei Menschen, die eine Tendenz zu depressiven Verstimmungen haben, begünstigt eine kohlenhydratarme Kost die Entstehung von Depressionen. Auf Kohlenhydrate generell zu verzichten, kann ich aber auch psychisch gesunden Menschen nicht empfehlen.

Wie viele Kohlenhydrate braucht man, um seelische Tiefs zu vermeiden?

Ich empfehle statt Low-Carb lieber Slow-Carbs zu sich zu nehmen, die in Gemüse, Früchten, Brot und klassischen Beilagen enthalten sind. Sie enthalten Kohlenhydrate, die der Körper langsam aufnimmt. Wenn man beispielsweise zum Frühstück ein Stück Vollkorngebäck isst, mittags als Zuspeise einen großen Knödel und am Abend drei Hühnerei-große Erdäpfel, wird man nicht dick und versorgt sein Gehirn perfekt, damit es gut funktionieren kann.

Zucker gehört wohl nicht zu den angesprochenen Slow-Carbs?

Ja, das stimmt. Zucker wirkt sich leider nur kurzfristig gut auf die Stimmung aus. Das Fatale an allzu süßen Lebensmitteln ist, dass das Gehirn nach dem Genuss davon sehr viel mehr Glückshormone ausschüttet, als wenn man beispielsweise Erdäpfel oder Obst isst. Zucker hat also eine ähnliche Wirkung in unserem Gehirn wie Kokain oder Heroin. Wer zu oft und zu viele zuckerhaltige Lebensmittel zu sich nimmt, entwickelt eine Sucht nach Süßem. Damit beginnt ein Teufelskreis, den übergewichtige Menschen oft recht gut kennen.

Haben übergewichtige Menschen ein erhöhtes Risiko, eine Depression zu entwickeln?

Ja, nur lässt sich nicht bestimmen, ob zuerst die Henne oder das Ei war. Denn wenn man traurig ist, neigt man dazu, mehr zu essen – und zwar vor allem Zuckerhältiges. Aber auch zu dick zu sein, macht meist unglücklich.

 


Europäisches Forschungsprojekt "MoodFood"

Die Rolle der Ernährung für die Psyche untersucht derzeit das europäische Forschungsprojekt "Moodfood". Die Studie ist auf fünf Jahre angelegt und umfasst 1000 übergewichtige Teilnehmer in vier Ländern. "Wir wollen mit der Untersuchung wirksame Ernährungsstrategien zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen entwickeln", sagte Elisabeth Kohls in einem Interview mit der deutschen Wochenzeitung Stern.

Die Psychologin von der Klinik für Psychiatrie in Leipzig koordiniert das Projekt. Die Forscher interessiert die Frage, ob der Hang zu Fast Food und industriell verarbeiteten Lebensmitteln nicht nur Übergewicht fördert, sondern auch einen Mangel an Nährstoffen verursacht, der den Gemütszustand in Mitleidenschaft zieht.

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16. Juni 2019