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10.000 Oberösterreicher von „Long Covid“ betroffen

Von nachrichten.at/   28.April 2021

Thomas Berger, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz

Müdigkeit, Riech- und Geschmacksstörungen, Atemnot, Gedächtnisprobleme, Muskel- und Gelenksbeschwerden bis hin zu Herzerkrankungen, Haarausfall und Frostbeulen an den Zehen: Zehn bis 20 Prozent jener Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren, erholen sich nur schwer und zeigen auch drei Monate danach einige der oben genannten Symptome. Mediziner sprechen in diesen Fällen vom „Long-Covid-Syndrom“.

Rund 10.000 Oberösterreicher dürften aktuell davon betroffen sein, berichtete Thomas Berger, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz bei einer Pressekonferenz.

Thomas Berger, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz

Frauen im mittleren Alter, also zwischen 40 und 60 Jahren, würden überdurchschnittlich häufig daran leiden. Die Erschöpfungszustände nach einer akuten Erkrankung, die in allen Altersklassen auftreten können, würden zunehmend auch junge Menschen betreffen, wie eine Studie der Berliner Universitätsklinik Charité zeigt. „Wichtig zu wissen: Long Covid kommt auch nach milderen Verläufen vor“, wie die Mediziner der Barmherzigen Brüder betonten.

Herzschäden und Müdigkeit

„Fakt ist, dass eine Corona-Infektion eine überschießende Immunreaktion auslösen kann. Dadurch kann es neben einer Schädigung der Lunge auch zu Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungsapparat, die Nieren und auf das zentrale Nervensystem kommen. In circa 30 Prozent der Fälle waren selbst nach Wochen noch Veränderungen im Gerinnungssystem und erhöhte Entzündungswerte nachweisbar“, so Primar Martin Clodi, Abteilungsvorstand für Innere Medizin.

Eine Beteiligung des Herz-Kreislauf-Systems sei sowohl bei milden als auch bei schweren Covid-19-Erkrankungen häufig. „Wir haben Herzmuskelschäden, aber auch das Auftreten von Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz beobachtet“, sagte Clodi. Als häufigste Folge wird das Erschöpfungssyndrom genannt. „Darunter versteht man eine Erkrankung, die zu einem ausgeprägten und anhaltenden Gefühl von körperlicher beziehungsweise mentaler Erschöpfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit führt. Auch Konzentrationsstörungen sind durchaus häufig“, erklärte Markus Hutterer, Facharzt für Neurologie. (bar)

Thomas Berger, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz

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18. Juni 2021