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Landsleute

„Ich möchte nicht stehenbleiben“

Von Melanie Dzambazov   14. August 2019 00:04 Uhr

Gertraud Stöckler-Schatzdorfer
Lernen ist für die 84-jährige Frankenburgerin kein Schlagwort, sondern gelebte Realität.

Die Frankenburgerin Gertraud Stöckler-Schatzdorfer spondierte mit 84 Jahren.

Ich will ein Beispiel sein, dass man im Alter nicht aufgeben darf“, sagt Gertraud Stöckler-Schatzdorfer. Aufgegeben hat die Frankenburgerin definitiv nicht: Mit 84 Jahren ist sie die älteste Absolventin des Master-Studiengangs Germanistik an der Universität Salzburg.

„Anfangs hatte ich Angst, als Großmutter unter den Studienkollegen nicht angenommen zu werden – aber ganz im Gegenteil: Ich habe sehr davon profitiert, mit jungen Leuten zu arbeiten. So bin auch ich geistig jung und fit geblieben“, sagt die langjährige Volksschullehrerin und Direktorin, die vor allem eins sein will: Ein Vorbild, eine Vordenkerin, eine Leitfigur für andere.

„Für Mädchen stand früher ein Studium oft nicht zur Diskussion“, erzählt Stöckler-Schatzdorfer von ihren Erfahrungen als Lehrerin. Dabei seien es gerade Bildung und Arbeit, die den Weg in ein unabhängiges Leben bereiten. Sie selbst lernte und arbeitete ihr ganzes Leben lang. Weshalb sie sich vor ein paar Jahren für ein Studium entschloss? Ihr Mann verstarb nach 50 Jahren Ehe: „Ich fiel in ein tiefes Loch, aber ich wusste: Nur ich selbst kann mich da rausholen. Ich wollte nicht stehenbleiben.“

In ihrer Masterarbeit analysierte sie Werke ihres Vaters, dem Innviertler Mundartdichter Hans Schatzdorfer. Kritisch beleuchtete sie seine Dichtung während der NS-Zeit und zeigt seine Distanzierung zum Nationalsozialismus ab 1939. „Es war mir ein Anliegen, seine Werke für die Nachwelt aufzubereiten.“

Für ihr kulturelles Wirken als Obfrau des Stelzhamerbunds, des Schatzdorferbunds und des Hausruckviertler Mundartkreises bekam Stöckler-Schatzdorfer auch die oberösterreichische Kulturmedaille verliehen. Die Liebe zur Mundart wurde ihr von ihrem Vater in die Wiege gelegt. Tag für Tag liest sie ein Gedicht von ihm: „Bleib as wias d’ gwachsn bist, Löb nöt vom Loign. Bleib da grad selba treu, Los di nöt boign.“

Bleib dir selbst treu, lass dich nicht verbiegen, gib niemals auf. Mit allen Höhen und Tiefen des Lebens: Sie gibt niemals auf.

 

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