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Künstlerkollektiv will das Bad Ischler Lehártheater wachküssen

29.März 2021

Künstlerkollektiv will das Bad Ischler Lehártheater wachküssen
Schauspielerin Gioia Osthoff

Es ist nur ein Postkasten. Aber er könnte das Kulturleben in Bad Ischl beflügeln. Vielleicht sogar im ganzen Salzkammergut.

Seit diesem Wochenende hängt der Kasten zur Irritation mancher Bad Ischler an der Fassade des Lehártheaters. Fast wie in einer Guerilla-Aktion wurde er nächtens montiert. Der Kasten ist eine Einladung: Die Leute sollen Liebesbriefe an das alte Bühnenhaus der Kaiserstadt einwerfen. Von ihrem schönsten Theater- oder Konzertabend erzählen. Oder vom Moment, als sie zum ersten Mal Bühnenkunst erlebt haben.

Die Aktion ist der Startschuss für die Initiative "auf! auf!". Ins Leben gerufen wurde sie von aufstrebenden Kulturschaffenden. Die Schauspielerin Gioia Osthoff ist dabei, ebenso der Künstler Felix Dennhardt und die bildende Künstlerin Michaela Putz. Die drei kündigen an, alle eintrudelnden Liebesbriefe an das Lehártheater zu vertonen oder zu verfilmen. Präsentiert werden die Produktionen in den nächsten Monaten im Theater selbst. Und noch was passiert: Zehn junge Künstler werden ab diesem Sommer "in Residence" eingeladen. Sie sollen den "Hettegger-Zubau" des Theaters als Bühne verwenden und ihre Werke dort präsentieren.

2024 als große Chance

Bis hierher klingt das alles wenig spektakulär. "Aber es sind die Funken, die das Lehártheater zu neuem Leben erwecken sollen", sagt Gioia Osthoff. Die Schauspielerin ist Ensemblemitglied des Theaters an der Josefstadt. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern möchte sie das 194 Jahre alte Bühnenhaus zu alter Bedeutung zurückführen. Die Chance dafür eröffnet die Europäische Kulturhauptstadt 2024, bei der Bad Ischl Bannerstadt sein wird.

Künstlerkollektiv will das Bad Ischler Lehártheater wachküssen
Vor 194 Jahren errichtet

Das alte Ischler Kurtheater hatte seine Blütezeit, als der Kaiser die Stadt zu seiner Sommerresidenz erkoren hatte. Noch heute ist die Garderobe viel zu klein, weil das Haus im Winter geschlossen war. Johann Nestroy und Frank Wedekind standen hier auf der Bühne, und am Dirigentenpult schwangen Johann Strauss und Franz Lehár den Taktstock. Nach letzterem wurde das Haus ab 1940 benannt.

In den vergangenen Jahrzehnten steckten Kulturfreunde viel Geld und Liebe ins alte Lehártheater, um Konzerte, Bühnenkunst und Filme zu präsentieren. Was sich über die Jahre hinweg jedoch nicht veränderte, war der Renovierungsbedarf. Es bräuchte Millionen, um Bausubstanz und Technik auf Vordermann zu bringen. Das entsprechende Fenster öffnet sich 2024, und Beobachter in Bad Ischl wissen seit längerem, dass die Stadtgemeinde die Chance nutzen möchte. "auf! auf!" ist der Weckruf, um zwischen Linz und Salzburg einen innovativen und vitalen Kulturschauplatz zu etablieren, der dem alten Kaiser zur Ehre gereicht hätte.

Wobei man munkelt, Franz Joseph I. sei ohnehin nur ins Theater gegangen, um "seiner" Katharina Schratt beim Arbeiten zusehen zu können. Die stand hier regelmäßig auf der Bühne. (ebra)

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