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Lada Vesta SW: Darf es ein bisschen weniger sein?

Wer auf das Prestige statt den Preis schaut, sollte einen Blick auf den Lada Vesta SW riskieren.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Der Lada Vesta in der Kombiversion: Die Designer verzichteten auf Extravaganzen, gingen auf Nummer sicher und spielten nicht russisches Roulette. Bild: Werk

Ich gebe es ganz offen zu: Auf den ersten Kilometern mit dem Lada Vesta SW erlitt ich einen kleinen Kulturschock. Kein Wunder, war ich doch direkt vom Lack-und-Leder-Luxus der japanischen Edel-Marke Lexus auf das etwas herbe Hartplastik-Ambiente des russischen Kombis umgestiegen. Je länger die Reise dauerte, desto leichter fiel jedoch der Verzicht auf den Überfluss. Natürlich ist die schönste und damit verlockendste Seite des Lada Vesta SW sein Preiszettel (das Basismodell kostet 12.750 Euro), aber auch der Rest kann sich sehen und fahren lassen.

Design: Hier spielt Lada nicht russisches Roulette, sondern passt sich sehr gut dem europäischen Geschmack an. Die Designer – vermutlich inspiriert von Lada-Mitbesitzer Renault-Nissan – verzichten auf Experimente, die Linienführung wirkt sogar recht dynamisch. Das Lada-Logo am Heck ist etwas groß ausgefallen. Vielleicht ist das eine selbstbewusste Trotzreaktion. Wem die normale Kombi-Version zu fad ist, wird Gefallen am etwas wilderen Vesta SW Cross finden.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Innenraum: Was günstig ist, schaut oft auch billig aus. Der Lada Vesta gibt sich wenig Mühe, die Elemente zu verstecken, bei denen gespart wird. Plastik schaut nach Plastik aus. Warum denn nicht? Wenigstens wirkt alles robust und nicht filigran. Das passt zu Lada, dessen Geländewagen Taiga ja nach wie vor von vielen Offroad-Freunden geschätzt wird, weil er ziemlich unverwüstlich ist. Positiv bemerkbar macht sich auf jeden Fall das großzügige Platzangebot, auch die Sitze sind sowohl in Reihe eins als auch im Fond okay. Der Touchscreen in der Mitte verweigert manchmal die Mitarbeit, viele Funktionen lassen sich aber auch vom Lenkrad aus ganz leicht steuern. Unsere Luxus-Ausstattung beinhaltete sogar eine gute Rückfahrkamera, Parksensoren gibt es schon in der (gar nicht so mickrigen) Basis-Version, die unter anderem auch Klimaanlage, Sitzheitzung oder einen Tempomaten beinhaltet.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Fahrwerk: Hier hat Lada schon Luft nach oben, der Fahrkomfort könnte besser sein. Ab Tempo 120 nerven Vibrationen (vielleicht war das auch nur ein schlecht gewuchtetes Rad). Auf die Idee, besonders sportlich die Kurven zu nehmen, kommt man in einem Lada Vesta ohnehin nicht. Was uns zum Motor führt.

Motor: Der Vierzylinder-Benziner leistet immerhin 106 PS, allerdings wird er erst bei recht hohen Drehzahlen dynamisch. Das maximale, aber eher bescheidene Drehmoment (148 Newtonmeter) wird erst ab 4200 Touren geliefert. Die fünf Gänge sind gut abgestimmt, der Testverbrauch lag bei 7,8 Liter Benzin. Irgendwie hat man das Gefühl, dass die etwas rau klingende Maschine auch Spiritus oder Wodka saufen würde. Tatsächlich findet sich im Tankdeckel der Hinweis, dass dieser Motor auch Sprudel mit 92 Oktan schluckt. Ein Treibstoff mit dieser "Qualität" wird an österreichischen Tankstellen nicht mehr angeboten.

Darf es ein bisschen weniger sein?

Fazit: Der Lada Vesta Kombi ist eine gute Alternative für Menschen, denen der Preis wichtiger als das Prestige ist und die sich anstelle eines Gebrauchtwagens ein fabriksneues Auto leisten möchten. Interessant könnte das familieninterne Duell gegen die Schwester-Marke Dacia werden.

 

Lada Vesta SW

Preis: ab 12.750 Euro
OÖN-Testwagen 17.000 Euro

Motor: Vierzylinder-Benziner
Multipoint-Einspritzung
Hubraum 1596 ccm
Leistung 78 kW (106 PS) bei 5800 1/min
max. Drehmoment 148 Nm bei 4200 1/min

Verbrauch (NEFZ)
Stadt/Land/Mix 9,4/5,5/6,9
OÖN-Test 7,8
Tank/Kraftstoffart 55 l/Super

Umwelt: Euro-6b
CO2-Ausstoß 157 g/km

Antrieb: Front
Getriebe 5-Gang (manuell)

Fahrleistungen:
0 auf 100 km/h in 12,4 sec
Spitze 180 km/h

Abmessungen & Gewichte:
L/B/H 4410/1764/1508 mm
Radstand 2635 mm
Leergewicht 1310 kg
Zuladung 420 kg
Kofferraum 480 Liter
Anhängelast gebr. 900 kg
ungebremst 600 kg

Garantie: 3 Jahre

Plus: Preis-Leistungs-Verhältnis, gutes Platzangebot

Minus: Motor wird bei höheren Drehzahlen recht laut, Vibrationen ab Tempo 120

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Artikel Christoph Zöpfl 10. September 2018 - 00:04 Uhr
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