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Wirtschaftsraum OÖ

Raiffeisen Landesbank verdreifacht Gewinn

30. April 2022 00:04 Uhr

Gewinn verdreifacht, aber RLB-Chef Schaller tritt auf die Euphoriebremse
Die Beteiligungen der RLB bescherten der Bank 2021 einen deutlichen Gewinnzuwachs.

LINZ. Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB) weist für 2021 einen Jahresüberschuss vor Steuern von 557,8 Millionen Euro aus. Das ist eine Steigerung um mehr als 200 Prozent und mehr, als alle anderen oberösterreichischen Banken zusammen im Vorjahr verdient haben.

RLB-Chef Heinrich Schaller tritt allerdings auf die Euphoriebremse. Die Bank stelle sich auf ein sehr schwieriges Jahr 2022 ein. Die Wirtschaftsprognosen mit einem Wachstum von gut zwei Prozent und einer Inflationsrate von fünf bis sechs Prozent halte er für falsch. "Es wird leider schlimmer kommen", sagt Schaller.

Die Steigerung des Jahresüberschusses ist die Summe aus mehreren positiven Faktoren. Wie alle anderen Banken auch legte die RLB beim Zinsüberschuss, aber auch beim Provisionsgeschäft kräftig zu. Den größten Sprung gab es allerdings bei den Beteiligungen und Finanzanlagen der RLB, die insgesamt fast 200 Millionen Euro an Wert gewannen. Nicht berücksichtigt sind dabei die beiden größten Beteiligungen an der voestalpine und der Raiffeisen Bank International (RBI).

"Rückzug wäre komplex"

Bei der RBI steht unter dem Strich ein Minus von vier Millionen Euro, weil ein Teil der Beteiligung an der RBI vorsorglich abgeschrieben worden ist. Ob sich die RBI aus Russland zurückzieht, werde sich zeigen. Man könne bei einer Bank aber nicht einfach zusperren. Das sei komplexer, sagt Schaller. Welche Lücke RBI mit dem Engagement in Russland und der Ukraine reißen wird, lasse sich noch nicht sagen. Die guten Ergebnisse und die hohe Eigenkapitalquote der RLB würden aber gewährleisten, dass die RLB auch diese Krise entsprechend abfedern kann.

Die voestalpine hat zwar im Gegensatz zu 2020 wieder einen positiven Ergebnisbeitrag geliefert, dieser wurde von rückläufigen Kursen aber etwas verringert.

Die Raiffeisengruppe Oberösterreich (also die RLB inklusive den Raiffeisenbanken in den Regionen) hält mittlerweile bei einer Bilanzsumme von fast 70 Milliarden Euro und ist damit die Nummer vier unter den österreichischen Banken. Der Jahresüberschuss vor Steuern der gesamten Gruppe betrug 2021 868,6 Millionen Euro. Die Einlagen stiegen um 6,5 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Damit sei genügend Liquidität vorhanden, um auch schwierigere Zeiten zu bewältigen, sagt Schaller.

Der RLB-Chef äußerte bei der Präsentation der Bilanz auch Kritik an der Einlagensicherung und der Europäischen Zentralbank. Ersteres hat damit zu tun, dass die österreichischen Banken über die Einlagensicherung die Pleite der russischen Sberbank in Wien mitfinanzieren mussten, obwohl diese fast nur Kunden im Ausland hatte. Es müsse hier eine Änderung geben, Geld solle nicht ins Ausland fließen. Allerdings sei es wahrscheinlich, dass die Banken einen größeren Teil des Geldes wieder zurückbekämen, weil es angeblich Interessenten am Kreditportfolio der Sberbank gebe.

"Verwundert" über EZB

Verwundert sei er gewesen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nicht schon viel früher über Zinserhöhungen nachgedacht habe, sagt Schaller. Die Inflationsrate werde in Österreich und Europa noch weiter steigen. Eine Stagflation, also eine giftige Mischung aus Inflation und stagnierender Wirtschaft wolle er nicht prognostizieren. "Die Gefahr besteht, aber wir gehen noch von einem leichten Wachstum aus", sagt der RLB-Chef. (dm)

Raiffeisen in Zahlen

  • 206,9 Prozent: So viel legte die RLB beim Jahresüberschuss vor Steuern auf 557,8 Millionen Euro zu. Das Betriebsergebnis stieg um 18,9 Prozent auf 429,9 Millionen Euro.
  • 51,4 Milliarden Euro: Mit Jahresende hat die Bilanzsumme die 50-Milliarden-Marke zum ersten Mal überschritten.
  • 12 Beteiligungen hat die RLB im Vorjahr über die Beteiligungsfirmen fixiert, die größten waren der Rückkauf der Medikamentenfirma Herbasan nach Österreich und die Kapsch Group.
  • 6154 Mitarbeiter: Wie die anderen Banken sucht auch Raiffeisen nach Mitarbeitern. Im Vorjahr konnten etliche Stellen nicht besetzt werden.

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