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Wirtschaftsraum OÖ

Mini-Turbine mit großer Wirkung

Von Ulrike Rubasch  04. Januar 2020 00:04 Uhr

Mini-Turbine mit großer Wirkung
Alois Keplinger (TIM, v.l.), Verkaufsleiter Günther Scharrer und Geschäftsführer Christoph Wagner von WWS.

NEUFELDEN. WWS Wasserkraft will mit neuer Entwicklung kleine Staustufen besser nutzen.

Zu einem Exportschlager könnte die neue Turbine werden, die der Mühlviertler Kleinwasserkraft-Spezialist WWS zusammen mit dem Technologie- und Innovations-Management (TIM) des Landes OÖ und der WKOÖ entwickelt hat. Diese kostengünstige und effektive Kompaktturbine namens Powergate sei eine Weltneuheit und soll in bestehende Staustufen mit dem bisher ungenutzten Restwasser Strom erzeugen.

"Wir haben viel Geld in die Entwicklung gesteckt", erzählt Geschäftsführer Christoph Wagner, der auch Präsident der Kleinwasserkraft Österreich ist. Derzeit wird sie in fünf Anlagen in Österreich getestet. Beim Wiener Neustädter Kanal, der 35 Staustufen hat, laufen Gespräche über den Einbau von Powergate. Jede Staustufe könnte Strom für rund 50 Haushalte erzeugen, schätzt Wagner. Genau darin liegt das Potenzial dieser Erfindung.

Professionelle Unterstützung

"Die Produktidee, ein kostengünstiges Turbinenbaukastensystem zu entwickeln, war bestechend einfach. Gleichzeitig war der Anwendungsbereich riesig", begründet TIM-Berater Alois Keplinger die Entscheidung, das Projekt zu begleiten. Allein in Österreich gibt es 7000 Staustufen und in Indien 20.000 Dämme für Fischfarmen, weltweit mehrere 100.000, für die die Mini-Turbine geeignet wäre. Die Staustufe darf maximal fünf Meter hoch mit einem Wasserdurchfluss bis drei m3/s sein. Die Turbinenleistung ist auf maximal 100 kW ausgelegt. Die Investition liege zwischen 80.000 und 120.000 – das sei sehr wenig, weil die Baukosten weitgehend wegfallen. Die Gesamtinvestitionen lägen dabei um 60 Prozent unter herkömmlichen Wasserkraftprojekten.

"Unser Anspruch ist, dass Powergate so perfekt funktionieren muss wie ein Ikea-Bausatz. Nach Anleitung selbst zusammenbauen, Stecker einstecken – und es funktioniert!", sagt Wagner, der mit dem Turbinen-Konstrukteur Josef Wögerbauer und dem Verkaufsleiter Günther Scharrer Namensgeber für WWS ist. Scharrer prognostiziert: "Gerade heute, wo sauberer Strom weltweit immer wichtiger ist, hat unser Produkt enormes Potenzial."

Der globale Markt ist den Mühlviertlern nicht fremd. Denn schon in den vergangenen Jahren plante und installierte das auf 50 Mitarbeiter angewachsene Unternehmen WWS in vielen Teilen der Welt Kleinwasserkraftwerke bis 10 MW. Rumänien, Türkei, Philippinen, Armenien und vor allem Österreich und Deutschland finden sich auf der Referenzliste. Erstaunlich ist, dass WWS für sein Powergate keine Patente angemeldet hat. Das wäre viel zu aufwändig gewesen, so der Geschäftsführer. Die Einzelteile seien ja nicht neu, nur "die Kombination ist die Sensation".

WWS wurde vor gut zehn Jahren gegründet. Der Unternehmenssitz ist nahe der Burg Pürnstein an der Großen Mühl, dort, wo früher die Fabrik Wagner Pappe erzeugte. Die Großfamilie Wagner-Kneidinger ist im oberen Mühlviertel seit Generationen als Unternehmerfamilie bekannt. Der Großvater, erzählt Christoph Wagner, habe schon 1898 das Örtchen Sarleinsbach elektrifiziert, eben mit einem Wasserkraftwerk. Noch heute betreibt die Familie zehn Kleinwasserkraftwerke, vier davon an der Mühl.

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Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

Ulrike Rubasch
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