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Wirtschaftsraum OÖ

MAN in Steyr: Können Verhandlungen und Warnstreik noch helfen?

Von Sigrid Brandstätter und Ulrike Rubasch   07. Oktober 2020 00:05 Uhr

MAN in Steyr: Können Verhandlungen und Warnstreik noch helfen?
Der Standortsicherungsvertrag für MAN-Steyr wurde gekündigt.

LINZ/STEYR. Gespräche auf verschiedenen Ebenen sollen MAN und Volkswagen zum Einlenken bringen.

"Bei euch in Steyr ist’s ja wärmer als in Wien", sagte Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian und stellte sich in die Sonne, um dann gleich grimmig zu werden. "Wir sind heute hier, um unseren Groll zu zeigen."

Vor dem Werkstor 1 der MAN in Steyr trafen gestern Mittag innerhalb weniger Minuten die Spitzenrepräsentanten der Gewerkschaften aus Wien ein. Sie wurden von Betriebsratsvorsitzenden Erich Schwarz und Angestelltenbetriebsrat Thomas Kutsam empfangen. In einem zweieinhalbstündigen Gespräch sollte eine Strategie zur Rettung des Lkw-Werks mit derzeit 2300 Beschäftigten entwickelt werden. Danach stand fest: Neben Gesprächen – auch mit den deutschen Gewerkschaftskollegen – soll auch lautstark protestiert werden: Am Donnerstag, dem 15. Oktober, wollen die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA-djp mit der Belegschaft der MAN einen Protestmarsch starten. Zu Mittag soll losmarschiert werden, auf dem Steyrer Hauptplatz soll es eine Kundgebung geben. "Wir wollen VW zeigen, ihr könnt Steyr nicht zumachen", sagt Pro-Ge-Gewerkschafter Rainer Wimmer.

  • Video: Besuch der Gewerkschaftsspitzen

Prüfung des Standortvertrags

Er schoss scharf gegen Volkswagen: "Wenn die VW-Bosse glauben, dass die Steyrer Kollegen den Abgasskandal finanzieren, dann können sie das vergessen." Wimmer sagte, dass man mit der IG-Metall in Kontakt stehe. Dazu, dass die deutsche Gewerkschaft eher die deutschen Werke in Plauen und Wittlich unterstützen wird, sagt Wimmer: "Da geht es um 100 und 150 Beschäftigte, hier geht es um eine ganze Region."

Alle gestern angereisten Arbeitnehmervertreter stießen sich daran, dass der Standortsicherungsvertrag erst Ende 2018 verlängert worden war und nun am 30. September vom Vorstand der MAN in München aufgekündigt worden ist. Katzian: "Wir werden alles tun, um das MAN-Werk zu halten." Nachsatz: "Denn Aufgeben tut man einen Brief."

Damit trifft der Gewerkschafter die Stimmung der Belegschaft, die nach dem anfänglichen Schock zwischen kämpferisch und hoffnungsvoll schwankt. "Wir können jetzt nur beweisen, dass wir es können. Sonst haben wir schon verloren", ist im Werk zu hören.

Die Belegschaftsvertretung lässt die Rechtsverbindlichkeit des Standortvertrags inzwischen rechtlich von der Wiener Anwaltskanzlei Jarolim & Partner prüfen. Das Argument: Die sogenannte Schlechtwetterklausel – also wirtschaftliche Probleme – könne man zumindest für das Werk in Steyr nicht geltend machen. "Wir haben im Vorjahr 20 Millionen Euro Gewinn nach München abgeliefert, im Jahr davor 33 Millionen und 2017 sogar 97 Millionen Euro."

Umgekehrt ist aus dem Volkswagen-Konzern zu hören, dass sich die Konzernleitung die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, und die drei zur Schließung anstehenden Werke nicht die Konzernstandards erreichen würden, weshalb der Schließungsplan auf Schiene sei. Katzian bleibt optimistisch: "Der VW-Konzern hat noch nie ein Werk geschlossen."

Streitpunkt: Hohe Lohnkosten

Der Volkswagen-Konzern als Eigentümer der MAN SE lässt im Hintergrund immer wieder durchsickern, dass die hohen Lohnkosten in Steyr das entscheidende Standortproblem seien. Das lässt Betriebsratsvorsitzender Schwarz gestern nicht gelten: "Die reinen Arbeitskosten bei einer Lkw-Produktion sind fünf Prozent. Wenn man die Logistikkosten noch berücksichtigt, sind es noch immer nicht mehr als zehn Prozent." Die hohe Überzahlung über den Metaller-Kollektivvertrag argumentiert Schwarz mit der hohen Produktivität. "Wir haben einen Leistungslohn, dafür muss aber die Leistung auch passen."

Johann Kalliauer, AK-Präsident und ÖGB-Vorsitzender in Oberösterreich, der auch beim Sozialpartner-Gespräch mit Landeshauptmann Thomas Stelzer und Kanzler Sebastian Kurz am Vormittag in Linz dabei war, sagte, es gehe jetzt darum: "Was können wir gemeinsam tun?" Alles – auch die Maßnahmen der Politik – sollen mit dem Betriebsrat koordiniert werden. "Er kennt sein Gegenüber am besten." MAN-Vorstand und Konzernbetriebsrat arbeiten an einem Verhandlungs-Terminplan.

MAN in Steyr: Können Verhandlungen und Warnstreik noch helfen?
Die Gewerkschaftsspitze in Steyr, allen voran ÖGB-Chef Wolfgang Katzian (l.)

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