Jeden dritten Tag hilft Linzer Kraftwerk den Deutschen aus

Von Ulrike Rubasch   30.Januar 2019

Jeden dritten Tag hilft Linzer Kraftwerk den Deutschen aus
Im Kraftwerk Linz-Mitte kann binnen Minuten mit Gas die volle Stromlast ins Netz eingespeist werden.

Die Instabilität des deutschen Stromnetzes fordert die Linz AG. Weil der unregelmäßig erzeugte Windstrom aus Norddeutschland wegen mangelnder Leitungskapazitäten nur schwer zu den großen Abnehmern der Industrie im Süden transportiert werden kann, müssen südliche Stromerzeuger immer kurzfristiger "dagegenhalten".

Die Linz AG musste im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 an exakt 100 Tagen einspringen und die Gasturbinen anwerfen, um die Netzstabilität in Europa aufrechtzuerhalten. Das waren 18 Tage mehr als im Jahr davor. "Ohne unsere flexiblen Gaskraftwerke wären die Netze nicht aufrechtzuerhalten gewesen", sagte Vorstandsdirektor Wolfgang Dopf gestern bei der Präsentation der Bilanz.

Generaldirektor Erich Haider präsentierte einen Umsatzrekord (780,8 Millionen Euro nach 747,8) und einen Gewinnrückgang. Das Betriebsergebnis (Ebit) der Linz AG sank von 62,8 auf 53,8 Millionen Euro 2018. Dafür sei einzig ein Sondereffekt aus einem Grundstücksverkauf an der Donau aus 2017 von rund 8,5 Millionen Euro verantwortlich. Der Bilanzgewinn von 26 Millionen Euro wird an die Stadt Linz ausgeschüttet.

Die Verkehrssparte der Linz Linien erwirtschaftet als einzige keinen Überschuss. Der Abgang lag trotz Rekord von 113 Millionen Passagieren bei 32 Millionen Euro (2017: 36 Millionen). Täglich nutzten mehr als 309.000 Personen die Linzer Straßenbahnen und Busse, sagte Vorstandsdirektorin Jutta Rinner. Haider kritisierte abermals, dass es anders als bei ÖBB oder Lilo keinen finanziellen Beitrag zum Linz-Verkehr von Bund oder Land gebe. Immerhin ist die Linz AG Österreichs drittgrößter Personenbeförderer nach ÖBB und Wien Linien. 2018 startete eine neue Ära der ersten vollelektrischen 24-Meter-Obusse.

EAG-Anteile: "Keine Not"

Die Linz AG hält 10,3 Prozent an der Energie AG (EAG). Es gebe Interessenten für die Anteile, aber keine konkreten Verhandlungen, sagte Haider. Es bestehe keine Notwendigkeit, zu verkaufen. Erst wenn der Aktienkurs wieder (über den Einkaufspreis) steigt, sei ein Verkauf für die Linz AG interessant. In Summe müssen mehr als 200 Millionen Euro auf den Tisch.

Bei der Auflösung der gemeinsamen Stromfirma Enamo laufe alles nach Plan, sodass mit 1. April die 20 Mitarbeiter der Linz AG wieder als Konkurrenz zur EAG auftreten werden. (uru)