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Wirtschaftsraum OÖ

Hohe Qualität bringt Milchbauern Mehrkosten, aber auch gute Erlöse

Von Josef Lehner 09. März 2019 00:04 Uhr

Hohe Qualität bringt Milchbauern Mehrkosten, aber auch gute Erlöse
Josef Braunshofer, Generaldirektor der Berglandmilch-Genossenschaft

WELS. Mehrweg-Glasflasche ist weiterer strategischer Schritt – Milchmarkt hat sich stabilisiert.

Die Berglandmilch-Genossenschaft erhöht ihr Investitionstempo. Dabei hatte es in den beiden vergangenen Jahren schon Rekordvolumina von je 30 Millionen Euro gegeben. Heuer sollen es 40 Millionen werden, weil Wasch- und Abfüllanlagen für die neuen Mehrweg-Glasflaschen angeschafft werden. Sie werden rund acht Millionen Euro kosten.

Das sei ein weiterer Schritt in der Strategie, mit besonderen Leistungen für die Konsumenten Mehrwert zu erzielen, sagt Generaldirektor Josef Braunshofer den OÖNachrichten. Mehrweggebinde seien wegen der hohen Handlingkosten zwar eine große Herausforderung. Allerdings entsprächen sie Kundenwünschen und dem Zeitgeist. Der Markt belohne besondere Qualität. "In Zusammenarbeit mit dem heimischen Lebensmittelhandel gelingt es uns, höhere Milchpreise zu erwirtschaften", sagt Braunshofer. So ist die Flaschenmilch derzeit im Handel mit 1,59 Euro je Liter gelistet, Bio-Milch in der Flasche mit 1,69.

Zuschlag auch für Kleinbauern

Die bäuerlichen Eigentümer des Unternehmens würden diese Strategie mittragen, sagt Braunshofer, obwohl sie dafür hohe Auflagen und Mehrkosten auf sich nehmen müssten. Solche Schritte waren bisher die Verpflichtung zu gentechnikfreien Futtermitteln, und zwar ausschließlich aus Europa. Palmfett darf in der Fütterung nicht mehr eingesetzt werden. Für Markenprogramme der Handelsketten gebe es Preisaufschläge.

Mit Jahresmitte wird es einen Aufschlag von bis zu einem Cent je Liter Milch geben, wenn Bauern ihre Kühe möglichst viele Tage im Jahr frei laufen bzw. auf die Weide lassen. Dafür wird der Zuschlag für Großlieferanten halbiert (die Einsammlung großer Mengen ist kostengünstiger). "Vom Tierwohlzuschlag werden aber auch unsere kleinen Bauern profitieren können", sagt Braunshofer.

Die Milchbauern sind derzeit in einer schwierigen Lage, weil die Dürre des Vorjahres einen Futtermangel beschert hat. Das senkt die Milchanlieferung. Weil diese aber – in ganz Europa – gesunken ist, hat sich der Marktpreis erholt. Derzeit zahlt Berglandmilch beinahe 40 Cent für konventionelle Milch, 50 für Bio-Qualität. In den Jahren 2016 und 2017 war der Preis auf bis zu rund 30 Cent gefallen. Derzeit ist der Markt stabil. "Die Mengen ziehen zwar wieder an, wir werden aber heuer nicht jene Rekorde wie vor einem Jahr erreichen", sagt Braunshofer.

Mozzarella aus Feldkirchen

Die Genossenschaft hat in den vergangenen Jahren massiv in Käseproduktion investiert, weil die Wertschöpfung hoch ist und das Produkt viel Rohmilch erfordert. So geht jetzt die Käserei im steirischen Voitsberg in Vollbetrieb, die auf 30.000 Tonnen Jahreskapazität verdoppelt worden ist. Ebenfalls hochgefahren wurde die neue Mozzarella-Produktion in Aschbach (Niederösterreich). Während sie Blockware erzeugt, z.B. für Reibekäse in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie (Pizzas), wird heuer in Feldkirchen bei Mattighofen eine Anlage für Mozzarella-Kirschen errichtet. Investment: 1,5 Millionen Euro. Die Blockfertigung wurde vom Innviertel ins Mostviertel verlegt.

Der größte österreichische Molkereibetrieb setzt mit 1500 Beschäftigten rund 900 Millionen Euro um. Er gehört rund 11.000 Milchbauern in Ober- und Niederösterreich, der Steiermark, in Kärnten und Tirol. Zentrale ist offiziell im Betrieb in Wels.

 

Zuschlag für Tierwohl

 

Mit 1. Juli wird es für die mehr als 11.000 Bauern der Berglandmilch-Genossenschaft einen Preiszuschlag von 0,2 Cent, 0,5 Cent oder einem Cent auf den Milchpreis geben. Die Höhe hängt davon ab, wie viele Tage Auslauf bzw. Weidehaltung ihre Kühe haben. Finanziert wird die Prämie, indem der Preiszuschlag für Großlieferanten halbiert wird.

Aktuell erhalten die Bauern 39,91 Cent brutto je Kilo für konventionelle Milch, 50,31 Cent für Bio-Milch (für Bio-Marken der Handelsketten wie „Zurück zum Ursprung“ bis zu 59,23 Cent). Wegen Überproduktion war der Preis auf bis rund 30 Cent gefallen (2016).

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Josef Lehner

Redakteur Wirtschaft

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