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Wirtschaftsraum OÖ

Gruber & Kaja: Vom Kelomat blieb nur die heiße Luft

Von Dietmar Mascher 31. August 2019 00:04 Uhr

Gruber & Kaja: Vom Kelomat blieb nur die heiße Luft
Hannes Androsch

HTI-Pleite:Die turbulente Geschichte eines oberösterreichischen Traditionsbetriebs

1974 wurde die Lage so eingeschätzt: "Das Unternehmen setzt Erwartungen darin, dass die österreichischen Hausfrauen jetzt allmählich zur Verwendung eines zweiten Kochtopfes übergehen", schrieben die OÖNachrichten über die Zukunftsperspektiven der oberösterreichischen Firma Gruber & Kaja. Das Unternehmen in Traun war damals knapp 25 Jahre alt und nicht zuletzt für die Herstellung seiner Druckkochtöpfe mit dem Namen Kelomat bekannt.

Kelomat-Töpfe produziert Gruber & Kaja schon lange nicht mehr. 2001 wurde an die Firma Riess verkauft. Seither hat sich das Unternehmen voll auf die Herstellung von Druckguss-Teilen für die Autoindustrie konzentriert, vor allem deutsche Nobelmarken wie BMW, Mercedes oder Porsche. Doch jetzt könnte auch damit Schluss sein, zumindest unter dem Dach der Mutter HTI. Beide Firmen mussten diese Woche Insolvenz anmelden.

Dass das Traditionsunternehmen über Jahre so stark an Bedeutung verlieren würde, war lange undenkbar. In der Nachkriegszeit gründeten Anton Kaja und Heinrich Gruber auf dem Gelände der Voest eine Firma und machten aus dem Metall von Granaten und Munition Dampfdruckkessel. Bald war die Marke Kelomat geboren. Von diesen Töpfen wurden in guten Jahren deutlich mehr als 100.000 Stück produziert und in die halbe Welt exportiert. Daneben bauten die Gründer Expertise für Druckgussteile auf, die in der Autoindustrie heiß begehrt war. Gruber & Kaja waren nicht einfach Zulieferer, sondern Entwicklungspartner und daher auch gegen leichte Konjunkturschwankungen resistent.

Das inzwischen in Traun angesiedelte Unternehmen baute zusätzlich in Sankt Marien und beschäftigte phasenweise mehr als 400 Leute, galt als Spitzenarbeitgeber, der mehr zahlte als andere.

2007 verkauften die Söhne Alxander Kaja und Hans Gruber ihr Unternehmen an die HTP. Dass HTP für High Tech Plastics stand, tat nichts zu Sache, denn aus dem Plastikspezialisten aus Oberdörfl war nach einem Streit zwischen Aktionären ein Unternehmen mit neuer Ausrichtung geworden.

Kurt Helletzgruber, früher Manager bei Voest und Boehler sowie Co-Gründer von Wacker Neuson, stieg als Sanierer bei HTP ein, die Aktionäre Hannes Androsch und Willi Dörflinger (AT&S) blieben an Bord. HTP sollte ein Konglomerat aus potenten Mittelständlern werden, die Probleme mit Nachfolge hatten.

Rasches Wachstum

HTP kaufte Gruber & Kaja, wurde in HTI (High Tech Industries) umgetauft und startete eine ambitionierte Expansion, in die etliche prominente Manager und Unternehmer nicht nur Expertise, sondern auch viel Geld einbrachten. Die Unternehmerfamilie Kretz, die an Kretztechnik und der Brau Union beteiligt war und damals an Strasser Steinbau und Keli beteiligt war, brachte ihre Pro Regio ein.

Nikolaus Kretz arbeitete im Vorstand, sein Schwiegervater und Ex-KPMG-Chef Gerd-Dieter Mirtl wurde Aufsichtsratschef. Peter Glatzmeier, den Helletzgruber aus Voest-Zeiten kannte, brachte seine BBG ein und wurde Vorstandschef. Schnell lag die Gruppe bei einem Umsatz von 164 Millionen Euro und 1200 Mitarbeitern. Ziel war ein Umsatz von 500 Millionen Euro. Dazu kam es allerdings nie.

Nach den Zukäufen der Firmen Hitzinger und Technoplast von Werner Kampichler begann der Konjunkturmotor 2008 zu stottern – damit auch die HTI. Androsch und Dörflinger schieden im Unfrieden aus allen Gremien aus.

Die Gruppe sollte sich bis heute nicht mehr von der Rezession erholen. 2009 verzichteten die Wiener Großbanken auf 80 Prozent ihrer Forderungen, um eine Pleite zu verhindern, die Regionalbanken übernahmen die Finanzierung.

Das brachte allerdings nur kurz Luft zum Atmen. Mehrfach wechselten die Eigentümer, Beteiligungen wurden wieder verkauft. Übrig blieb am Ende nur Gruber & Kaja. Aber Fonds und zuletzt geheimnisvolle Investoren (angeblich aus dem arabischen Raum) über eine deutsche Treuhandgesellschaft waren auch nicht erfolgreich.

HTI habe nie genug Eigenkapital aufgebaut, um Krisen zu überstehen, sagt ein Kenner des Unternehmens. Etliche einst erfolgreiche Investoren hätten viel Geld verloren. "Es war eine Blutwiese, weil einige Investoren ihre Firmen einbrachten, dafür HTI-Anteile bekamen, die dann massiv an Wert verloren." Von den verlorenen Arbeitsplätzen ganz zu schweigen.

Artikel von

Dietmar Mascher

Stellvertretender Chefredakteur, Leiter Wirtschaftsredaktion

Dietmar Mascher
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