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Wirtschaftsraum OÖ

Eine wirklich schwere Partie: Eisenbieger und Putztrupps

Von Ulrike Rubasch 06. November 2019 00:04 Uhr

Bau Bauunternehmen Baustelle Bauarbeiter
Viele der Eisenverleger bei uns bekommen de facto deutlich unter dem österreichischen Mindestlohn bezahlt.

LINZ. Die jüngste oberösterreichische Pleite, jene der Linzer Baufirma Gogelescu mit bis zu 157 Beschäftigten, ist nur die Spitze des Eisbergs. In Teilen des Baunebengewerbes sind fragwürdige Methoden Standard geworden.

Das Unternehmen im Eigentum von Jon Gogelescu, das vor gut zwei Jahren gegründet wurde, musste wie berichtet ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen. Der Schuldenstand und nähere Insolvenzursachen waren auch am Tag danach nicht zu erfahren. Der Geschäftsführer Walter S., der im Firmenbuch allerdings nicht aufscheint, sei bereits Insolvenz-erfahren, heißt es aus informierten Kreisen.

Das insolvente Unternehmen fiel bisher weder bei der Gewerkschaft noch bei der Arbeiterkammer (AK) auf. Die AK Oberösterreich weiß bloß von "vier Beratungen, aber keinem offenen Rechtsakt". Die überwiegend rumänischen Arbeiter sollen regelmäßig von ihrem Treffpunkt an einer Tankstelle abgeholt und zu den Baustellen gebracht worden sein. Im September wurden angeblich auffallend viele Arbeiter angeheuert. Eine Lohnzahlung dürfte ausstehen.

Die Branche der Eisenbieger/-verleger sowie des Innen- und Außenputzes und Vollwärmeschutzes "ist eine sehr schwere Partie", sagte AK-Präsident Johann Kalliauer. Mit unfairen Methoden werden die Preise in den Keller gedrückt. Praktisch alle heimischen Baufirmen beauftragen für diese Arbeiten Subfirmen, die häufig in der Hand von Ausländern sind.

Preisverfall und Sozialdumping

Österreichweit wurden 2018 nur am Bau 13.500 Arbeiter aus dem EU-Ausland nach Österreich entsandt. Rechnet man das Baunebengewerbe mit ein, dürfte es sich um ein Vielfaches handeln, schätzt der Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz, Harald Dietinger.

Es sind vor allem Slowaken, Slowenen, Polen und Ungarn, in Oberösterreich auch jüngst vermehrt Rumänen, die unter immer noch bedenklichen sozialen Bedingungen trotz vermehrter Kontrollen teils angemeldet, teils "schwarz" auf den Baustellen Österreichs schuften. Zwar müssen sie wegen der Antidumping-Gesetze nach österreichischem Kollektivvertrag (KV) bezahlt werden. Doch würden ihnen häufig hohe Beträge etwa für die Unterkunft abgezogen oder dafür, dass sie mit dem Firmenbus aus ihrem Heimatland herangekarrt werden. Somit verdienen sie zwar mehr als in ihrem Heimatland, aber weit unter dem österreichischen KV. Die meisten bleiben rund drei Monate im Land.

Im speziellen Fall der Eisenbieger/-verleger kommt dazu, dass Eisenbieger ein freies Gewerbe ist – im Gegensatz zum reglementierten Gewerbe der Eisenverleger. Nur Letztere dürfen auch auf Baustellen (nicht nur im Bauhof) arbeiten. Vielen dient das freie Gewerbe als "Einfallstor für die Tätigkeit auf der Baustelle", kritisiert Markus Hofer, Geschäftsführer der Bau-Landesinnung in der WKOÖ. Der unfaire Wettbewerb habe trotz Kontrollen und rechtlicher Klagen stark zugenommen.

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Ulrike Rubasch

Redakteurin Wirtschaft

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