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Wirtschaftsraum OÖ

"Digitalisierung hört nicht am Freitag auf und fängt am Montag wieder an"

Von Martin Roithner 24. August 2019 00:04 Uhr

"Digitalisierung hört nicht am Freitag auf und fängt am Montag wieder an"
Rockenschaub übergibt am 1. Jänner das Zepter an Stefanie Huber.

LINZ. Sparkassen-Chef Michael Rockenschaub über Gegenwart und Zukunft der Bankbranche.

Bis Jahresende ist Michael Rockenschaub noch Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberösterreich. Die OÖNachrichten baten den Innviertler zum Interview.

OÖN: Sie sind seit 36 Jahren in der Bankbranche tätig. Was hat sich seither geändert, auch im Hinblick auf die Digitalisierung?

Michael Rockenschaub: Die 1980er-Jahre waren vergleichsweise fad. Es gab keine Pleiten, die Firmen sind jedes Jahr um drei Prozent gewachsen, der Schilling war stabil. Wenn eine Firma ein Fremdwährungskonto wollte, hat man einen Einzelantrag auf Bewilligung an die Nationalbank schicken müssen. Damals war alles strengstens reglementiert. Mit den ersten Freigaben hat sich vieles gelockert. Die Digitalisierung ist kein Bruch, sondern eine Entwicklung, die mit dem ersten Bankomaten vor 40 Jahren begonnen hat. Sie hört nicht am Freitag auf und fängt am Montag an, sondern ist ein ständiger Prozess.

Massiv auf den Markt drängen nun Anbieter wie Facebook, das sogar eine eigene Währung einführen will. Was sagen Sie dazu?

Mich erinnert das ein bisschen an die 1990er-Jahre mit den Derivaten. Das Problem sind die Folgen: Spekulationsneigungen und Kontrollfreiheit. Wenn einer mit einer Kryptowährung Geld verliert und sich dann beschwert, tut er mir nicht leid. In unserer Branche werden Kontrollmaßnahmen massiv in die Höhe gefahren, und im Gegensatz bringen riesige Konzerne anonyme Produkte auf den Markt. Das ist ein Widerspruch. Da müssen strengere Regeln her.

Tatsache ist aber auch, dass die Zahl der Bankfilialen sinkt. Gleichzeitig verlagert sich das Geschäft ins Internet. Wie gelingt Ihnen dieser Spagat?

Wir haben die Herausforderungen, beide Optionen zu halten und zu pflegen. Wir sind aber nicht vorschnell, alte Wege zuzusperren. Sonst schneidet man Kunden ab, die dann die Bank verlassen.

Der Gemeindebund hat diese Woche ein Konzept vorgelegt, wonach Menschen ihr Bargeld beim Wirt abholen können. Was halten Sie davon?

Wenn das funktioniert, wäre ich froh. Der Druck mancher Bürgermeister auf die Banken ist groß. Sie wollen einen Bankomaten, aber kosten soll er nichts, und die Kunden sollen auch nichts zahlen. Das wird auf Dauer nicht gehen.

Eine häufige Diskussion ist jene um das Bargeld. Gehört es in die Verfassung?

Das müssen die Gerichte klären. Bis jetzt traut sich in Europa niemand von Gewicht, auf Bargeld zu verzichten. Das Aus des 500-Euro-Scheins war zwar ein Symbol in die Richtung, Bargeld hat aber auch eine Schutzfunktion. Ein Großteil der Menschen will sein Geld im Blick haben, ohne am nächsten Tag die große Ernüchterung auf dem Kontoauszug zu erleben.

Wie wird die Bank der Zukunft aussehen?

Es wird einen Flagship-Store geben, wo Beratung, Service und Produkte angeboten werden. Solange die Nachfrage nach individuellen Beratungsterminen besteht, ergibt es Sinn, die Filialen zu halten. Eine andere Lösung testet gerade die Hamburger Sparkasse: Die machen eine Begegnungszone mit Kinderspieltischen und Kaffeekränzchen – und nebenbei gibt es die Automatenzone und Bankberatung. Das wäre durchaus auch für uns eine Überlegung wert.

Zur Person

Michael Rockenschaub (64) ist seit 1983 bei der Sparkasse Oberösterreich tätig und steht ihr seit 2014 als Vorstandschef vor. Der Schärdinger studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und promovierte zudem zum Doktor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Am 1. Jänner wird Rockenschaub den Chefposten bei der Bank an Stefanie Huber übergeben. Die 44-Jährige wird die erste Frau an der Spitze der Sparkasse sein. Die Bank feiert heuer ihr 170-Jahr-Jubiläum.

Beim Digitalos ist die Sparkasse OÖ als Partner mit an Bord. „In vielen Entwicklungen war die Sparkassengruppe immer als Erste auf dem Markt. Es ist uns ein Anliegen, Menschen zu würdigen, die sich in der Digitalisierung einen Namen gemacht haben“, sagt Rockenschaub.

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Artikel von

Martin Roithner

Redakteur Wirtschaft

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