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Wirtschaftsraum OÖ

Aus der Uno-Shopping wird ein eigener Stadtteil

Von Sigrid Brandstätter  11. Dezember 2021 00:04 Uhr

Aus der Uno-Shopping wird ein eigener Stadtteil

LEONDING. Die raiffeisennahe Wohnungsgesellschaft WAG kauft das Areal und plant eine Mischung aus Gewerbe und Wohnen.

Nach Jahren des Niedergangs ist für das 11,5 Hektar große Areal um die Uno-Shopping in Leonding eine Lösung gefunden: Die Wohnungsgesellschaft WAG übernimmt das ehemalige Einkaufszentrum. Gemeinsam mit der Stadt Leonding soll in den nächsten Jahren eine Mischung aus Gewerbeflächen, Büros und Geschäften sowie Wohnungen entstehen.

Derzeit gibt es für das Einkaufszentrum eine Gewerbewidmung. Eine Widmung für Wohnbau gibt es noch nicht. "Eine Umwidmung kann ich mir vorstellen, allerdings nicht dafür, dass nur Wohnungen entstehen", sagt die Leondinger Bürgermeisterin Sabine Naderer-Jelinek. "Das Projekt soll einen Mehrwert für Leonding und die Region bringen."

Doch so weit ist man noch nicht. Derzeit sind alle Beteiligten froh, dass es zumindest eine Perspektive gibt. Die WAG betont in einer Aussendung, der Fokus werde auf eine "nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtentwicklung" gelegt. "Wir bauen nicht nur, wir entwickeln den Standort", heißt es. Eine aus zwei Experten bestehende Abteilung werde einen Stadtteil entwickeln – wie schon elf in ganz Österreich entwickelt worden seien. WAG-Geschäftsführer Gerald Aichhorn betont in der Aussendung die enge Zusammenarbeit, die es mit der Stadt Leonding geben solle.

WAG wurde Areal angeboten

Zum Zustandekommen des Deals sagt der WAG-Aufsichtsratschef Reinhard Schwendtbauer, das Areal sei der WAG angeboten worden und er habe das von Beginn an unterstützt. Die Eigentümer würden einen Entwicklungszeitraum von fünf bis zehn Jahren veranschlagen. Die WAG gehört zu 46 Prozent der Raiffeisenlandesbank, wo Schwendtbauer im Vorstand sitzt. Je ein Viertel der Anteile halten die Wiener Städtische, die Hypo Oberösterreich, die verbleibenden vier Prozent gehören der OÖ. Versicherung.

Über den Kaufpreis, den die bisherigen Eigentümer Josef Hofer und Hubert Wagner erzielt haben, wurde Stillschweigen vereinbart. In der Immobilienbranche geht man von 35 bis 40 Millionen Euro aus.

Wie viel in das Projekt investiert wird, ist ebenso offen wie der Zeitplan oder die Anzahl von Wohnungen, die errichtet werden sollen. Von der WAG heißt es, dass man Schritt für Schritt vorgehen werde. Auch ob die architektonische Planung über einen Wettbewerb oder Ausschreibungen erfolgen werde, sei noch nicht entschieden.

Aktuell hat der Trampolin-Funpark Jumpdome auf dem Areal einen aufrechten Mietvertrag für eine Halle mit mehr als 4000 Quadratmeter. "Die Mietverträge haben weiter Gültigkeit", heißt es bei der WAG dazu. "Wir klären die weitere Vorgangsweise in aller Ruhe." Insider gehen davon aus, dass der Kärntner Betreiber eine langjährige Bestandszusicherung hat. Immerhin wurde eine Halle neu errichtet und erst im April eröffnet. Auch Spar dürfte eine langjährige Zusage der Eigentümer haben, bei Revitalisierung eine Handelsfläche betreiben zu dürfen.

Chronologie der Uno Shopping

  • Oktober 1990: Der Welser Unternehmer Josef Handlbauer eröffnet die Uno Shopping. Mehr als 80 Geschäfte waren auf einer Fläche von 32.000 Quadratmetern untergebracht, darunter Media-Markt, Interspar, C&A, Kleider Bauer und Hervis. Die Betreiber rechneten mit einer Frequenz von 8000 bis 10.000 Kunden pro Tag.
  • 1990er-Jahre: Jahrelang lag die Uno Shopping im Streit mit der benachbarten PlusCity mit Geschäftsführer Ernst Kirchmayr. Prozesse standen an der Tagesordnung. Meistens ging es um gegenseitige Vorwürfe, wonach angeblich jeweils die Genehmigungen für den Ausbau fehlten. Investiert wurde aber kräftig, Erlebnisgastronomie und Kinos sollten Kunden anlocken.
  • September 2008: Nach 18 Jahren im Familienbesitz wurde die Uno Shopping an eine Immobilien-Tochter der Bank Austria veräußert. Diese könne aus dem Einkaufszentrum mehr herausholen als ein Familienbetrieb, sagte der damalige Chef Christof Handlbauer, Sohn des Uno-Shopping-Gründers.
  • Bis 2012: Der Plan der Bank Austria ging nicht auf. Mieter beklagten sich, der Eigentümer lasse das Einkaufszentrum links liegen, und brachen ihre Zelte ab. Einige gingen gegen die Bank sogar gerichtlich vor. Ab 2009/10 verließen immer mehr Mieter das Einkaufszentrum.
  • August 2012: Als letzte Zugpferde warfen im Sommer 2012 Interspar und Hervis das Handtuch. Zwei Jahre später folgte Media Markt und zog in die PlusCity um.
  • Jänner 2016: Im Jänner des Jahres 2016 gab die Bank Austria bekannt, sich vom Uno Shopping zu trennen. Das Areal mit 110.000 Quadratmetern Fläche wurde zum Verkauf angeboten.
  • November 2016: Die Mühlviertler Investoren Hubert Wagner, Josef Hofer und Joachim Pawelka erhielten den Zuschlag für das verwaiste Einkaufszentrum. Davor war das Areal sogar als mögliches LASK-Stadion im Gespräch gewesen.
  • Oktober 2017: Versuche, dem Einkaufszentrum neues Leben einzuhauchen, schlugen fehl. Zwei Outlet-Stores wurden 2017 eröffnet, mussten aber wieder zusperren. Die Investoren wollten ein Fachmarktzentrum entwickeln.

Artikel von

Sigrid Brandstätter

Redakteurin Wirtschaft

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