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Wirtschaftsraum OÖ

Am Acker fehlen Helfer: Regierung bessert nach

Von Josef Lehner 13. April 2019

Am Acker fehlen Helfer: Regierung bessert nach
Erdbeeren zählen wegen hohen Arbeitsaufwands zu gefährdeten Kulturen.

EFERDING. Reform bei Saisonkräften hilft auch dem Tourismus.

"Ab Ende April müssen wir Frischgemüse ernten, im Mai kommen dann Erdbeeren dazu", sagt Stefan Hamedinger, der Gemüsereferent in der OÖ. Landwirtschaftskammer. Für diese von Woche zu Woche steigende Arbeitsbelastung stünden jedoch zu wenige Saisonkräfte zur Verfügung.

Die Bundesregierung hilft nun, dieses Problem der Obst- und Gemüsebauern zu lösen. Der gestern, Freitag, präsentierte Verordnungsentwurf soll auch den Personalmangel in der vom Schadholz überlasteten Forstbranche und im Tourismus lindern. Das Kontingent an Saisonniers soll heuer von 2610 auf 2727 steigen, jenes der Erntehelfer von 275 auf 288. In Oberösterreich erhält der Tourismus 98 von bundesweit 1263 Saisonniers, die Land- und Forstwirtschaft 1092 (mehr als Niederösterreich und die Steiermark zusammen). "Die Verordnung bringt mehr Flexibilität und ein höheres Kontingent für Arbeitsspitzen", sagt Ministerin Elisabeth Köstinger.

"Mehr als die zahlenmäßige Aufstockung hilft uns die flexible Durchrechnung", sagt Kammerexperte Hamedinger. Bei Erntespitzen könne der Einsatz hochgefahren und gegen Mindereinsatz in anderen Wochen gegengerechnet werden: "Das ist genau das, was wir uns gewünscht haben."

Hauptproblem in der Landwirtschaft ist, dass der Kollektivvertragslohn für Helfer, also in der untersten Stufe, nur 1230 Euro im Monat beträgt. Die Bauern wissen, dass dafür nur Ausländer gewonnen werden können. Mehr Lohn lasse sich jedoch auf dem Markt nicht verdienen. Die Preise würden von deutscher Konkurrenz gedrückt, die für viele Erntehelfer keine Sozialversicherungsbeiträge leisten müssten. Eferdinger Bauern verlieren deshalb Jahr für Jahr mehr Stammkräfte aus der Ukraine oder vom Balkan nach Deutschland, weil diese dort praktisch brutto für netto bezahlt werden.

In Österreich sind Lohnnebenkosten fällig, für die die Osteuropäer praktisch nie eine Leistung erhalten werden. Der oberste Arbeitnehmervertreter, Landarbeiterkammer-Präsident Eugen Preg, macht den Bauern keine Hoffnung auf eine ähnliche Lösung: "Wir haben kein Interesse, bei uns die deutsche Regelung einzuführen."

Kritisch wird die Lage 2020 werden, wenn der Mindestlohn von den 1230 auf 1500 Euro steigen wird. "Davor haben wir Riesenangst, denn der Markt gibt das nicht her", sagt Hamedinger. Daran führe kein Weg vorbei, kontert Preg: "Das ist seit Jahren sozialpartnerschaftlich paktiert."

Er hoffe, dass der Dumpingkreislauf durchbrochen werde. Dazu brauche es aber die Konsumenten, denen bewusst sein müsse, dass heimische Qualität faire Preise für die Erzeuger bedinge. Sonst würden arbeitsaufwändige Produkte wie Erdbeeren oder Gurkerl bald nur noch importiert werden können. (le)

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Josef Lehner

Redakteur Wirtschaft

Josef Lehner
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