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Wirtschaftsraum OÖ

Teak-Holz-Gründer weisen Schuld an der Krise von sich

Von Stefan Fröhlich   20. Juni 2015 00:04 Uhr

Teak-Holz-Gründer weisen Schuld an der Krise von sich
Wie viele Bäume hat Teak wirklich?

LINZ. Heftige Kontroversen gab es am Donnerstagabend bei einer Versammlung von Aktionären zweier Teak-Holz-Töchter. Zwischen der aktuellen Führung und den Gründern wird eifrig um die Richtigkeit von Gutachten und die Schuld an der Teak-Holz-Misere gestritten.

"Sie erzählen in der Öffentlichkeit, dass alles an diesem Unternehmen schlecht sei. Dabei stimmt das einfach nicht", rief der Freistädter Rechtsanwalt Manfred Luger in Richtung Teak Holz (THI)-Chef Franz Fraundorfer. Heiß ging es her am Donnerstagabend beim Informationsabend der THI in Linz. Geladen waren die Minderheitsaktionäre und Fruchtgenussrechts-Inhaber der costaricanischen Tochtergesellschaften. Luger, der selbst einige Zeit im Aufsichtsrat der THI saß und auch Gründer Klaus Hennerbichler vertritt, machte sich zum Wortführer einer wütenden Opposition gegen den amtierenden Chef.

Gut 16 Prozent an einer Tochtergesellschaft der THI, der Finca de los Austriacos SA, gehören Minderheitsaktionären. Österreichern, denen noch vor dem THI-Börsegang Namensaktien mit der Aussicht auf hohe Gewinne verkauft wurden. 65 solcher Aktien gibt es. An diesem Abend sollte sich herausstellen, dass damals nicht jeder wusste, dass er Aktien gekauft hat. "Uns wurde gesagt, dass wir einen Hektar an dieser Finca kaufen", sagt eine Frau. 220.000 Schilling (knapp 16.000 Euro) hat eine Aktie gekostet, viele Anwesende fürchten um ihr Geld.

"Es ist nicht alles weg"

"Es wird länger dauern, als versprochen wurde. Es wird weniger herauskommen. Aber es gibt Bäume", sagte Fraundorfer – die Aktionäre müssten nicht um ihr ganzes Geld fürchten. Die Bäume aber seien, wie die OÖNachrichten bereits berichteten, deutlich weniger als angenommen. Nicht 1,1 Millionen Teakbäume sollen auf den Fincas stehen, sondern nur etwa 660.000. Außerdem sei das Wachstum geringer als berechnet und man könne erst nach 20 Jahren ernten. Fraundorfer stützt sich dabei auf ein Gutachten der finnischen Firma Pöyry.

Von diesem will die Gruppe um Luger, Hennerbichler und dem Investor Erwin Hörmann, die auch einen Teil der Minderheitsaktionäre hinter sich haben, gar nichts wissen. Das Gutachten wird angezweifelt, es seien viel mehr Bäume da, die Zählungen seien nicht repräsentativ. Luger droht Fraundorfer mit einer Strafanzeige. "Machen Sie das. Ich würde mich nicht hier herstellen, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass da einiges nicht passt", entgegnet Fraundorfer. Er könne es natürlich verstehen, dass es nicht angenehm sei, wenn "jemand die Tuchent aufhebt und solche Dinge zum Vorschein kommen", sagt er in Richtung der Gründer.

Was Fraundorfer eingesteht, ist, dass im vergangenen Jahr Bäume gerodet wurden – darunter auch solche, die in Zukunft gute Erträge bringen hätten können. "Das war eine finanzielle Notwendigkeit", verteidigt sich der Firmenchef, während ihm forstwirtschaftliche Ahnungslosigkeit und ein zu billiger Verkauf vorgeworfen werden.

Nach einer langgezogenen Diskussion um Bestockungsdichten, Rodungen und verschiedenste Gutachten, mit deren Anzahl man sprichwörtlich leicht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, kommt dann doch eine der spannenderen Fragen. "Es mag schon sein, dass ein paar Bäume zu billig verkauft wurden. Aber wo sind eigentlich diese 45 Millionen Euro an Schulden hergekommen?", fragt ein Aktionär. Befriedigende Antworten gibt es keine.

Ziel: Restrukturierung

Und wie wird es jetzt mit Teak weitergehen? "Wir stehen in Verhandlungen mit den Gläubigern. Das Ziel ist ein Restrukturierungsplan und eine Fortführung der Plantagen", sagt Fraundorfer.

Am Zug ist aber jetzt auch die Staatsanwaltschaft. Sie muss prüfen, welchen der zahlreichen Gutachten wirklich zu glauben ist. War der Wert der Fincas, die die Gründer Hennerbichler und Hörmann eingebracht haben, wirklich bei weitem niedriger als in der Bilanz ausgewiesen? Wurden tatsächlich weniger Bäume gesetzt, als ursprünglich den Anlegern mitgeteilt? Wurden bewusst falsche Gutachten erstellt? Oder wollen die neuen Mehrheitseigentümer tatsächlich den Wert des Unternehmens schlechter darstellen als er ist, wie die Gruppe um die Gründer und Luger behauptet?

"Die Behörde wird prüfen, was wirklich dahintersteckt", sagt Fraundorfer. Eines stehe für ihn allerdings fest: "Forstinvestments sind nicht schlecht, aber mit 2000 Hektar hätte man niemals an die Börse gehen dürfen."

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