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Wirtschaftsraum OÖ

RLB Oberösterreich erwägt Konzernsitz in Deutschland

Von Dietmar Mascher   11. April 2014 00:05 Uhr

Raiffeisen Landesbank Passau? Eine Fotomontage, eine Drohung, ein Wink mit dem Zaunpfahl? Zumindest nicht abwegig.

LINZ. Es klingt fast wie ein verspäteter April-Scherz, ist aber keiner. Die Raiffeisen Landesbank (RLB) Oberösterreich überprüft derzeit, welche Folgen eine Verlegung des Konzernsitzes ins benachbarte Deutschland hätte.

"Es wäre betriebswirtschaftlich fahrlässig, wenn ich eine Verlegung nicht für eine Option hielte", sagt der Generaldirektor der RLB, Heinrich Schaller, im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Die RLB würde in Deutschland gut fünf Millionen Euro Bankenabgabe zahlen, in Österreich muss sie 34 Millionen Euro an den Finanzminister abführen. Die Bank würde bei einer Sitzverlegung nicht zur Gänze abwandern. Es würde wohl nur ein paar Stabsstellen betreffen. "Denn die Nähe zu unseren Kunden ist uns wichtig. Und diese würden von solch einer Maßnahme selbstverständlich nichts bemerken", sagt Schaller. Aber die Belastung der Banken habe ein Ausmaß erreicht, das man nicht mehr so einfach hinnehmen wolle.

Schaller will eine Reduktion der Bankenabgabe und eine Klarstellung, wie lange diese noch eingehoben wird. Auch ein Gegenrechnen mit anderen Belastungen für die Banken sei notwendig.

Der RLB-Chef lässt keinen Zweifel, "dass wir nicht die einzige Bank sind, die eine Verlegung ins Ausland prüft".

Stolzer Präsident Zeman

Tatsächlich hatte diese Woche bereits der tschechische Staatspräsident Milos Zeman Aufsehen erregt, als er voller Stolz berichtete, Erste-Chef Andreas Treichl habe ihm gegenüber gesagt, die Bank erwäge einen Sitzwechsel nach Prag. Dort ist die Erste mit der Ceska Sporitelna sehr prominent vertreten. Die Erste dementierte nicht wirklich vehement.

Tatsächlich könnten Österreichs Banken relativ einfach wesentliche Teile ihres Geschäfts ins Ausland verlegen. Ein Konzern-Insider aus der Erste-Group: "Würde man das Eigendepot-Management abziehen, das große Firmenkundengeschäft und die Immobilien, wäre ein zweistelliger Milliardenbetrag an Volumen im Ausland, aber nur wenige Mitarbeiter wären von der Verlegung betroffen." Damit könne man einiges an Steuern sparen. Und man müsse ja nicht unbedingt nach Prag ausweichen. Bratislava liege nur wenige Kilometer von Wien entfernt. Und auch dort ist die Bank schon sehr stark vertreten.

Der Unmut der Banken über die hohen Bankenabgaben ist mittlerweile stark ausgeprägt. Vor allem, dass ihre Einhebung nicht befristet ist, hat die Banker zuletzt aufgeregt.

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