Lade Inhalte...

Wirtschaftsraum OÖ

Affäre um Hl. Barbara zieht in Gewerkschaft weite Kreise

Von Von Sigrid Brandstätter   09. März 2010 00:04 Uhr

Affäre um Hl. Barbara zieht in Gewerkschaft weite Kreise
Belegschaft in der voestalpine schüttelt über „Barbara-Affäre“ den Kopf.

LINZ. Innerhalb und außerhalb der voestalpine herrscht große Verwunderung darüber, dass 15 Jahre lang Geld von der Gewerkschaft ungerechtfertigt an den Arbeiter-Betriebsratsfonds floss.

Die Geschichte wurde am Samstag von den OÖN veröffentlicht. Demnach hat die frühere Metallergewerkschaft (heute proge) 25 Euro für jedes Pensionisten-Geschenk – eine Figur der Heiligen Barbara – mitgezahlt, in Summe fast 25.000 Euro. Dies obwohl die gesamte Statue vom Unternehmen finanziert worden war.

Betriebsräte aus anderen großen Metallbetrieben in Oberösterreich verlangen volle Aufklärung. Ein Betriebsrats-Vorsitzender eines Unternehmens mit mehr als 1000 Beschäftigten sagt: „Freunde, warum zahlt da überhaupt die Gewerkschaft mit? Bei uns finanziert allein der Betriebsrat die Abschiedsgeschenke.“ Ein anderer: „Es muss sichergestellt sein, dass ein einfaches Gewerkschaftsmitglied keinen Schaden hat.“

Auf Tauchstation

Die höchsten Gewerkschafter des Landes gingen am Montag auf Tauchstation, nachdem am Wochenende bereits hektische Telefonate in der Causa stattgefunden hatten. Weder Rainer Wimmer, oberster proge-Chef, noch Johann Kalliauer, ÖGB-Chef und AK-Präsident in Oberösterreich, oder Gewerkschaftssekretär Walter Schopf waren erreichbar.

Diese Woche wird die Ortsgruppe voest in der proge und der Arbeiter-Betriebsrat der voestalpine Stahl noch einmal zusammentreffen. Albert Maringer führt die Gewerkschaftsagenden in der voest. Er sagt, für die Gewerkschaft sei nicht ersichtlich gewesen, dass dieses Geschenk doppelt bezahlt worden sei. Betriebsräte berichten, dass es die Praxis „schon immer“ gegeben habe und das Geld „nicht in böser Absicht“ kassiert worden sei.

Nachdem die Fehlzahlungen intern aufgeflogen waren, wurde mit Gewerkschafter Schopf vereinbart, dass knapp die Hälfte – 12.000 Euro – sofort an die Gewerkschaft zurückbezahlt werden. Den Rest darf sich der Betriebsrat behalten. Das argumentiert Maringer so: „Sowohl die Gewerkschaft als auch der Betriebsrat erbringen Serviceleistungen für die Belegschaft. Es ist die gleiche Arbeit, wir arbeiten eng zusammen, um die Mitarbeiter gut zu vertreten.“

In der Belegschaft des Unternehmens stößt die Causa auf großes Unverständnis. Wie es sein könne, dass über fast eineinhalb Jahrzehnte niemandem auffalle, dass es für die Hl. Barbara zwei Zahler gegeben habe, wird gefragt.

Intern heißt es, die Einzigen, denen es hätte auffallen können, seien Hans- Karl Schaller und Johann Linsmaier gewesen. Beide müssten sowohl in der proge als auch im Arbeiterbetriebsrat die Belege gesehen haben. Der abgesetzte Linsmaier hat dies erst bei seinen abschließenden Kontrollen bemerkt.

Kritiker sagen auch, dass die Prüfung durch Gewerkschaft und Arbeiterkammer zu lax sei.

Lädt
turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon fügen Sie das Schlagwort zu Ihren Themen hinzu.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon öffnen Sie Ihre "meine Themen" Seite. Sie haben von 15 Schlagworten gespeichert und müssten Schlagworte entfernen.

turned_in

info Mit dem Klick auf das Icon entfernen Sie das Schlagwort aus Ihren Themen.

turned_in

Fügen Sie das Thema zu Ihren Themen hinzu.

mehr aus Wirtschaftsraum OÖ

27  Kommentare expand_more 27  Kommentare expand_less