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Wirtschaft

Wenn das Auge die Haustür öffnet

Von nachrichten.at/rom   20. April 2021 11:38 Uhr

Der Augenscan gehört neben dem Fingerabdruck zu den am häufigsten genutzten biometrischen Methoden.

WIEN. Biometrische Datenerkennung ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: Fingerabdrücke, Gesichtsscans oder Sprachanalysen finden Anwendung in vielen Bereichen. Experten und Datenschützer sehen die Entwicklung zwiespältig.

"Biometrie verändert unseren Körper zu einer Quelle von Daten - mit allen Vor- und Nachteilen", sagte heute Walter Peissl vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bei einem Online-Pressegespräch. Er hat eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer erstellt, um die Auswirkungen biometrischer Methoden auf Konsumenten zu untersuchen. 

Das Ergebnis sieht der Experte zwiegespalten. Einerseits erleichterten biometrische Daten die Nutzung von technischen Geräten wie Smartphones, Tablets oder Lautsprechern. Sie seien aber nicht mehr alleine auf Fingerabdrücke oder Gesichtsbilder beschränkt. "Körpereigenschaften werden zu einer Art Code." Dazu gehörten auch Sprache, Stimme, Unterschrift oder der Anschlagsrhythmus der Tastatur. 

Andererseits stelle die "schleichende Gewöhnung" an biometrische Vermessung eine Gefahr dar, weil es rechtliche Lücken und Graubereiche gebe. Zudem bestehe das Risiko, dass Daten zu unlauteren Zwecken verwendet würden, so Peissl. Er nennt als Beispiel die US-Firma Clearview, die auf ihrer Webseite drei Milliarden Fotos von Menschen aus aller Welt aus dem Internet zusammengetragen hatte. Die Fotos sollen alleine in den USA 600 Institutionen verwendet haben, von der Polizei über Ministerien bis hin zum Geheimdienst. 

"Sicherheit im Hintertreffen"

Dass der Körper zunehmend als "Schlüssel" für Online-Banking, Bestellungen oder den Zutritt zu den eigenen vier Wänden verwendet werde, sieht AK-Konsumentenschützerin Daniela Zimmer kritisch. Zwischen Hilfe und Überwachung bestehe ein schmaler Grat. Zimmer verwies beim Pressegespräch auf die europäische Datenschutzgrundverordnung, die strengere Regeln hinsichtlich biometrischer Daten enthalten müsse. "Derzeit ist der Sicherheitsaspekt gegenüber dem tatsächlichen Nutzen der Systeme im Hintertreffen", so die AK-Expertin. 

Peissl sagte, die Entwicklungsschritte bei biometrischen Methoden würden immer größer und schneller. Künftig gehe es vermehrt um Verhaltensmuster von Menschen, etwa wie oder wann sie schlafen, gehen und essen. Einen Vorgeschmack lieferten Sportler aus den USA, deren Leistungsdaten während der Aktivität gemessen und ausgewertet werden, um ihren Erschöpfungszustand voraussagen zu können.

 

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