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Wirtschaft

voestalpine: Eine verhagelte Bilanz zum Abschluss und ein vager Ausblick

Von Sigrid Brandstätter  06. Juni 2019 00:04 Uhr

Herbert Eibensteiner folgt am 3. Juli Wolfgang Eder als Vorstandschef. 

WIEN. Aktionäre erhalten nach 1,40 Euro Dividende je Aktie heuer noch immer 1,10 Euro.

Der scheidende Vorstandschef der voestalpine, Wolfgang Eder, legte seine letzte Bilanzpressekonferenz als Vermächtnis an: "Das Unternehmen steht so gut da wie nie." Das sagte er, bevor er einen Gewinneinbruch von fast 50 Prozent erklären musste – siehe Grafik. Der Umsatz ist mehr wegen gestiegener Rohstoffpreise, weniger wegen zusätzlichen Geschäftsvolumens gestiegen.

Es blieb Eders Nachfolger Herbert Eibensteiner überlassen, einen sehr zurückhaltenden Ausblick zu geben: Wegen der vielen Unsicherheiten sei es unseriös, etwas Präzises zu sagen. Daher: Ziel ist es, das operative Ergebnis gemessen am Vorjahr "stabil" zu halten. Eibensteiner übernimmt am 3. Juli anlässlich der Hauptversammlung. An den Finanzmärkten kam das nicht gut an: Die Aktie verlor gestern fast zwei Prozent.

Drei große Ergebnisräuber

Drei große und eine Reihe kleiner Themen sind dafür verantwortlich, dass das operative Ergebnis um 400 Millionen unter dem Vorjahr zu liegen kam: Da ist der Kartellvorwurf im Segment Grobblech. Das ist auch der Punkt, der Eder "am meisten irritierte", wie er ausführte. Er gehe davon aus, dass dies die letzten derartigen Vorkommnisse seien. "Die Ursprünge liegen mehr als 20 Jahre zurück. Unsere Regeln wurden über die Jahre so nachgezogen, dass das damit erledigt sein sollte."

Wie viel für die Kartellstrafe zurückgelegt wird, wollte Eder nicht sagen. Allein: Im dritten Quartal, in dem die Strafe ruchbar wurde, lag das Ergebnis in der betroffenen Stahl-Division um 100 Millionen Euro unter dem vierten.

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In ähnlicher Höhe dürften sich die großen Probleme in einem neuen Automotive-Werk in den USA zu Buche schlagen: Das Werk konnte nicht liefern, musste Aufträge zurückgeben oder an die Konkurrenz weiterreichen. Im Laufe des heurigen Jahres wird ein Teil der abgegebenen Aufträge wieder zurückgeholt. 2020 soll dann Normalbetrieb einkehren.

Geplantermaßen fehlen 160 Millionen Euro Ergebnis, weil der große Hochofen in Linz generalüberholt wurde. Zu den kleinen Themen gehören höhere Rohstoff- und Emissionskosten, die Verunsicherungen wegen der Handelskonflikte und des Brexits und einige Wochen Produktionsausfall im Direktreduktions-Werk in Texas.

Für die Aktionäre gibt es aber relativ gute Nachrichten: Die Dividende wird nur von 1,40 auf 1,10 Euro gekürzt. Das ist das Niveau des vorvergangenen Jahres. Wegen des niedrigeren Gewinns erhöht das die Ausschüttungsquote auf fast 50 Prozent. Das ist für voestalpine-Verhältnisse hoch. Eibensteiner argumentiert das: "Wir glauben an die Ertragskraft des Konzerns."

Am Standort in Linz ist derzeit Sparen angesagt. "Wir setzen unsere Effizienzsteigerungsprogramme konsequent um", sagt Eibensteiner. Konzernweit werde bei den Investitionen in den nächsten Jahren auf die Bremse gestiegen. Die vielen neu errichteten Werke sollten erst ins Verdienen kommen.

Eder hob bei seinem letztem großen Auftritt vor Journalisten hervor, wie sehr sich das Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren – und damit unter seinem Vorstandsvorsitz – von einem Stahl- zum Technologiekonzern gewandelt habe. Die konjunkturellen Auf und Abs so solide zu bewältigen, wäre als klassischer Stahlproduzent nicht möglich gewesen. Das Unternehmen sei anerkannter Entwicklungspartner, das in technologisch anspruchsvollsten Branchen tätig sei. Nur so könne man in einem Hochlohn-Kontinent wie Europa vorne mitspielen. 

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Vier Frauen ziehen in den Aufsichtsrat der voestalpine ein

Bei der Hauptversammlung am 3. Juli kommt es zur Neuwahl des Aufsichtsrates der voestalpine. Seit gestern ist der Vorschlag öffentlich. Der direkte Wechsel des bisherigen Vorstandschefs Wolfgang Eder in das Aufsichtsgremium erfolgt auf Vorschlag der beiden größten Aktionäre, der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und der Mitarbeiterstiftung. Sie halten 30 Prozent der Anteile.

25 Prozent der Aktionäre müssen dies befürworten. Die Oberbank ist drittgrößter Einzelaktionär. Deren Chef Franz Gasselsberger ist ebenfalls für Eders Wechsel. Einen entsprechenden Vorschlag hat die Bank aber nicht eingebracht.

Neu in den Aufsichtsrat ziehen die Managerin Ingrid Jörg ein (sie war bei den Alukonzernen Amag und Alcoa), der Anwalt Florian Khol (Binder Grösswang) sowie – wie berichtet – die Versicherungsmanagerin Elisabeth Stadler und Maria Kubitschek (AK Wien) ein. Wiedergewählt werden der Vorsitzende Joachim Lemppenau, Gasselsberger und Heinrich Schaller (RLB). Die 30-Prozent-Frauenquote wird mit der Betriebsrätin Sandra Fritz erfüllt.

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Sigrid Brandstätter

Redakteurin Wirtschaft

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