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Wirtschaft

Virus-Variante aus Südafrika schickt die Aktienbörsen weltweit auf Talfahrt

27. November 2021 00:04 Uhr

Aktienkurs

WIEN. Wiener Börse verliert gut vier Prozent, Anlageexperten sehen aber keinen Grund zur Panik.

Über Wochen haben die Finanzmärkte das Corona-Geschehen weitgehend ignoriert. Gestern war das plötzlich anders: Eine neue Virus-Variante aus dem südlichen Afrika machte die Anleger an den Finanzmärkten panisch. Der Variante wird nachgesagt, sie sei noch ansteckender als die bei uns dominierende Delta-Variante und resistenter gegen die gebräuchlichen Impfstoffe.

Die Wiener Börse verlor gestern 4,4 Prozent und damit etwas mehr als jene in Frankfurt, der Leitindex DAX lag ebenfalls mehr als vier Prozent im Minus. Deutliche Verluste gab es auch zum Handelsstart an der New Yorker Börse. Der Dow Jones rutschte gleich zu Beginn mehr als zwei Prozent ins Minus.

Weltweit haben die Anleger ihr Veranlagungsrisiko reduziert und vor allem Aktien verkauft, die von neuerlichen Lockdowns oder Reisebeschränkungen besonders betroffen wären, etwa Fluggesellschaften. Die AUA-Mutter Lufthansa etwa verlor zweistellig. Auch die Aktien von Banken und Versicherungen gerieten unter Druck.

Umgekehrt profitierten auch Aktien von der Angst vor der neuen Virus-Variante. Dazu zählten etwa Online-Händler oder Lieferdienste. In New York waren vor allem die Aktien der Impfstoffhersteller gefragt. Die Moderna-Aktie legte gar um 16,5 Prozent zu, Biontech und Pfizer stiegen um 14,6 bzw. 5,5 Prozent.

Auch Gold war gefragt. Der Preis stieg wieder in die Nähe von 1800 US-Dollar, sank gegen Abend aber wieder. Gefragt war auch der Schweizer Franken. Bei den Kryptowährungen ging es hingegen steil bergab. Der Bitcoin-Preis fiel bis 18 Uhr um 8,3 Prozent auf rund 48.270 Euro. Das ist der tiefste Stand seit Mitte Oktober.

"Man muss diese Virus-Variante sehr ernst nehmen, sie ist aber kein Grund zur Panik für Anleger", sagte Teodoro Cocca, Professor für Asset Management an der JKU, beim gestrigen Geldtag der OÖNachrichten (siehe Berichte auf den nächsten Seiten). Auch Helmut Nuspl, Niederlassungsleiter der Schoellerbank in Linz, sieht darin keine Trendwende an den Aktienmärkten. Es sei viel Unsicherheit im Markt. "Das ist jetzt ähnlich wie im vergangenen Sommer, als die Delta-Variante auftauchte", sagte Nuspl.

Ob die Angst vor der Virus-Variante auch auf die Konjunktur durchschlägt, ist derzeit noch unklar. Experten gehen davon aus, dass die Notenbanken bei Bedarf ihre stützenden Maßnahmen verlängern werden und weiterhin in großem Stil Anleihen kaufen. Dass gestern auch der Ölpreis deutlich gesunken ist, wird sogar als Stimulus für die Konjunktur gesehen. Die nächsten Tage und Wochen würden zeigen, welche Auswirkungen die neue Virus-Variante auf die Realwirtschaft habe, sagen Experten. (hn)

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