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Wirtschaft

Vietnam: Instant-Nudeln und Sozialismus

Von Dietmar Mascher 16. Mai 2019

Vietnam: Instant-Nudeln und Sozialismus
In Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) pulsiert die Wirtschaft, aber auch die Straße.

Das südostasiatische Land mit dem höchsten Wachstum hat eine Mischung aus Einparteienregime und Kapitalismus

Vinhome, Vinmart, Vincom, Vincity, Vinschool, Vinfast – wer durch Vietnams Hauptstadt Hanoi fährt, wähnt sich in Vin-Land. Die Vingroup ist eine der größten Firmengruppen des Landes und steht für einiges, was Vietnam lange nicht verkörperte: das Streben nach Gewinn, Wirtschaftswachstum und Kapitalismus.

Pham Nhat Vuong ist der erste Milliardär Vietnams. Seine Karriere hat er 1993 mit der Gründung eines Herstellers von Instant-Nudeln in der Ukraine begonnen und daraus den Lebensmittelkonzern Technocom geformt. Diesen hat er längst an Nestlé verkauft und investiert seit knapp 20 Jahren wieder in seiner Heimat. Er baut Supermärkte und Immobilien, errichtet Schulen, ist in der Telekom- und Unterhaltungsindustrie tätig und wird in Kürze sein erstes Auto, den Vinfast, vorstellen.

Von Ebner bis Lenzing

Wesentlichen Anteil am Bau dieses SUV hat die österreichische Magna-Tochter, die das Know-how für die Produktion beigesteuert hat. Das ist beim derzeitigen Besuch einer großen Wirtschaftsdelegation in Vietnam – angeführt von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer – ebenso ein Thema wie weitere Möglichkeiten der Kooperation. Die Freistädter Elektro-Brüder Kreisel verhandeln mit der Vingroup über eine Zusammenarbeit. Der Leondinger Industrieofenbauer Ebner erkundet Markt und Vertriebsmöglichkeiten. Auch die Lenzing AG ist mit von der Partie.

Vietnam: Instant-Nudeln und Sozialismus
Gilbert Frizberg, Global Hydro Power

Schon weiter ist der Mühlviertler Spezialist für Wasserkraftwerke, Global Hydro Power. "Wir haben bereits für elf Anlagen die Turbine und die elektromechanischen Komponenten geliefert und sehen hier großes Potenzial. Zuletzt wurde eine Anlage mit gut 24 Megawatt in Betrieb genommen", sagt Eigentümer Gilbert Frizberg. In Hanoi hat das Unternehmen aus Niederranna eine Niederlassung.

Vietnam bietet dem Besucher ein zwiespältiges Bild. Es ist ein Land mit fast 100 Millionen Einwohnern und Wachstumsraten von mehr als sechs Prozent jährlich, freilich ausgehend von einem niedrigen Niveau. Während in Städten das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 10.000 und 12.000 Dollar im Jahr liegt, sind in ländlichen Gebieten 500 Dollar keine Seltenheit.

Pragmatischer als der Nachbar

Geführt wird es ähnlich wie China von einem sozialistisch geprägten Einparteiensystem. Dieses ist jedoch im Gegensatz zum großen Nachbarn pragmatischer. Es gibt keine Zensur, und Investoren sind gern gesehen. Beim Besuch Mahrers sagte Premierminister Nguyen Xuan Phuc, dass Firmen willkommen seien. "Es gibt da noch Luft nach oben in unseren Beziehungen", sagte er zu österreichischen Journalisten und konnte nicht oft genug erwähnen, wie sehr er Sebastian Kurz schätze.

Vietnam: Instant-Nudeln und Sozialismus
WK-Präsident Mahrer mit Premierminister Nguyen Xuan Phuc

Hoffnung setzt man in das Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der EU, das den Wegfall von 99 Prozent der Zölle sowie eine Reihe von Regeln, etwa auch zum geistigen Eigentum, bringen soll, dessen Umsetzung sich aber nicht zuletzt wegen des Brexit-Streits verzögert.

Die Wirtschaftskammer reagiert auf die neuen Möglichkeiten und eröffnet diese Woche in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) ihre erste Außenwirtschaftsstelle in Vietnam. "Der südostasiatische Raum gewinnt an Bedeutung, und wir werden versuchen, unsere Firmen von Vietnam aus bestmöglich zu unterstützen", sagt Mahrer. Bisher war Vietnam von der Außenwirtschaftsstelle in Bangkok betreut worden.

Artikel von

Dietmar Mascher

Stellvertretender Chefredakteur, Leiter Wirtschaftsredaktion

Dietmar Mascher
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