Wirtschaft
Heimische Bauern protestieren für gerechtere Preise
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MARCHTRENK. Mit etwa 70 Traktoren rückten am Dienstagvormittag heimische Landwirte von Wels Richtung Spar-Zentrallager in Marchtrenk aus.
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Mit Polizeibegleitung, Hupen und Blinklichtern versuchten die parteiunabhängigen Bauern der aus Deutschland kommenden Bewegung "Land schafft Verbindung", beim Handel Aufmerksamkeit für ihre Sorgen zu bekommen – vor dem Hintergrund heikler Preisverhandlungen der Molkereien mit dem Handel.
Die Hauptforderung ist, faire bzw. "echte Preise" für ihre Produkte zu erhalten, die die hohen Herstellungskosten abdecken und ermöglichen, dass die Bauern von ihren Erzeugnissen leben können. "Wir haben an den Lebensmitteleinzelhandel die Einladung zum Gespräch geschickt. Alle bis auf einen haben uns ignoriert", sagt der Sprecher einer Splittergruppe von Land schafft Verbindung, Christian Thornel, zu den OÖNachrichten. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann sagte zu den OÖN, man habe den Brief zwar erhalten, aber ohne Absender. Die Preise für Lebensmittel "sind marktgerecht, wir bezahlen den Bauern etliche Zuschläge für Qualität".
Der Handel sieht die Bewegung – und schon gar nicht eine Splittergruppe – nicht als richtigen Ansprechpartner für Verhandlungen. Kürzlich wehrte sich der Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer, Peter Buchmüller, gegen das aus seinen Augen undifferenzierte "Handels-Bashing" der Bauern. Die Handelsspannen seien nicht Ursache für sinkende Bauerneinkommen. "Wir stehen für konstruktive Gespräche, ohne Vorwürfe und Unterstellungen, jederzeit zur Verfügung", teilte der Sprecher des österreichischen Handels mit.
Die am Dienstag protestierenden Bauern unterstützten grundsätzlich die Forderungen der Landwirtschaftskammer, die sich auch für höhere Lebensmittelpreise starkmacht, um das Höfesterben zu stoppen, so Thornel. Die Bewegung sei kein Verein, man organisiere sich in sozialen Medien und in WhatsApp-Gruppen.
"Land schafft Verbindung" organisiert in Deutschland Bauernproteste gegen zu viel Bürokratie und zu strenge Umweltvorschriften. Im Jänner geriet eine Demo der Organisation in die Kritik, weil an einzelnen Traktoren rechtsextreme Banner aufgetaucht waren. Die Veranstalter distanzierten sich davon. Thornel, selbst Bauer in St. Pantaleon-Erla, kündigt an, all jene "Leute zu besuchen, die noch nicht mit uns gesprochen haben". Der österreichische Handel darf sich auf eine Besuchswelle einstellen.