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Wirtschaft

Teuerungsausgleich: Kurzfristig entschieden und teuer statt zielgerichtet

Von Sigrid Brandstätter  09. August 2022 06:56 Uhr

Geldbörse mit Münzen. Schulden und Armut
Jeweils 46 Prozent der Mindestsicherungsbezieher waren Österreicher und Personen aus Drittstatten. Der Rest setzt sich aus EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörigen sowie sonstigen (etwa Staatenlosen) zusammen.

WIEN. Zwei Drittel der Haushalte könnten Teuerung ohne Ausgleichsmaßnahmen stemmen

Energiekostenausgleich, Teuerungsausgleich I, II und III, höherer Klimabonus, Antiteuerungsbonus, Vorziehen des Familienbonus, Einmalzahlung an Pensionisten – und diese Woche auf den Konten der Familienbeihilfenbezieher: eine Sonderzahlung von 180 Euro pro Kind. Die Regierung hat verschiedene Maßnahmen getroffen, die die hohe Inflation ausgleichen sollen.

Die fehlende Zielorientierung der Entlastungsmaßnahmen steht immer wieder in der Kritik. Gestern hat die wirtschaftsliberale Denkfabrik Agenda Austria ihre Berechnungen veröffentlicht: Demnach erhält ein Musterhaushalt selbst in den höchsten Einkommenskategorien noch immer 1000 Euro – die Haushalte mit den niedrigsten Einkommen profitieren von 1200 Euro im heurigen Jahr. Nicht berücksichtigt sind laut Hanno Lorenz von der Agenda Austria alle Leistungen, die erst im nächsten Jahr wirken. "Das Problem ist, dass die Debatte über weitere Strompreis-Abfederungen befeuert wird, obwohl viele bereits beschlossene Maßnahmen noch nicht wirken. Weitere Maßnahmen braucht es für den Großteil der Haushalte nicht."

Den Berechnungen hinterlegt ist ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und 1,48 Kindern. Dabei gibt es Mehrfachzahlungen wie beim Klimabonus, zur besseren Vergleichbarkeit werden die Leistungen dann aber auf einen Ein-Personenhaushalt umgelegt. Lorenz und sein Kollege Jan Kluge schreiben, dass höhere Einkommensgruppen durch die ersten drei Pakete "mehr als ausreichend kompensiert" worden seien. Nach der strengen Auslegung der Agenda Austria können sich 85 Prozent der Haushalte die höheren Lebenshaltungskosten durch den Preisanstieg leisten – weil sie höhere Einkommen hätten und auf Erspartes zurückgreifen könnten.

Der Fiskalrat hat Anfang Juli in seiner Bewertung der Pakete festgestellt, dass 65 Prozent der Haushalte die Mehrausgaben auch ohne Ausgleichsboni tragen könnten. Damit wäre die budgetäre Belastung geringer ausgefallen.

Der Politologe Peter Filzmaier weist im OÖN-Gespräch darauf hin, dass die klare wirtschaftspolitische Analyse in der politischen Realität zu kurz greift: "Die Debatte, wer kann sich die Teuerung noch oder gerade noch leisten, die will ein Politiker weder im Allgemeinen mit den Bürgern noch im Speziellen mit den eigenen Wählern führen." Noch dazu vor vier Landtagswahlen.

Artikel von

Sigrid Brandstätter

stellvertretende Leiterin Ressort Wirtschaft

Sigrid Brandstätter

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