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Wirtschaft

Schweinepest: Bangen nach Fällen in Deutschland

Von Roland Vielhaber  17. September 2020 07:22 Uhr

Schweinepest: Bangen nach Fällen in Deutschland
Schweinebörse-Chef Schlederer (sedi)

LINZ. Exporte in Drittstaaten gestoppt – damit wächst in Österreich die Sorge vor einem Preisverfall

Am Anfang war es nur ein einzelnes totes Wildschwein ganz im Osten von Deutschland. Gestern kamen Meldungen, dass in Brandenburg bei weiteren fünf Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest (ASP) nachgewiesen worden ist. Die Schweinehalter und die Fleischwirtschaft im Nachbarland bangen damit um das weltweite Exportgeschäft außerhalb der EU. Aber auch die heimischen Schweinebauern könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen – ganz abgesehen von der Sorge, dass die Krankheit auch nach Österreich kommen könnte.

"Die Unsicherheit ist groß. Die Asiaten kaufen den Deutschen ihre Schweine nicht mehr ab. Der EU-Markt und damit auch Österreich werden zum Ventil, der Preis wird gedrückt", sagt Hans Schlederer, Chef der Schweinebörse Oberösterreich. Unser Bundesland ist die Schweineregion in Österreich, fast 1,1 Millionen Schweine (rund 40 Prozent des heimischen Marktes) werden hier gehalten.

Der asiatische Markt

Kein Wunder, dass die Bauern hierzulande die Situation in Deutschland sehr genau beobachten. Nach China verboten auch Japan und Südkorea wegen der Afrikanischen Schweinepest den Import von Schweinefleisch aus Deutschland. Die Reaktion Chinas war befürchtet worden – und ist doch ein Schlag. China ist der größte Konsument von Schweinefleisch weltweit. Dorthin gehen laut deutschem Agrarministerium 17 Prozent der deutschen Schweinefleisch-Ausfuhren. Interessant sind die asiatischen Märkte besonders deshalb, weil dort Teile wie Ohren und Pfoten gefragt sind, die hierzulande kaum Abnehmer finden. Da China seit 2018 selbst gegen einen massiven Schweinepest-Ausbruch kämpft (100 Millionen Tiere starben), war es zuletzt ein sehr lukrativer Markt. So bescherte ein "Nachfragesog" aus China den deutschen Exporteuren trotz Corona-Krise Umsatzrekorde, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Die Exportmenge verdoppelte sich von Jänner bis April 2020 auf 158.000 Tonnen. Der Exportwert schnellte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 126 Millionen auf 424 Millionen Euro hoch. Damit ist jetzt Schluss. Nur: "Jedes sechste Schwein aus Deutschland wird im Ausland abgesetzt. Da jetzt Deutschland für den Drittlandexport für längere Zeit gesperrt sein wird, ist auch mit erheblichen Konsequenzen für den Binnenmarkt zu rechnen", sagt Schlederer.

Keine Gefahr für Menschen

Mit Spannung wurde daher die gestrige Notierung am heimischen Schweinemarkt erwartet. Das Ergebnis: Der Basis-Preis fiel binnen einer Woche um acht Cent auf 1,40 Euro pro Kilo (das sind rund acht Euro pro Schwein). Eine erste ganz große Panikreaktion blieb damit aus. "Ein Zeichen, dass die heimische Fleischwirtschaft zu den heimischen Bauern steht und nicht mehr als notwendig auf den Preis drückt", sagt Hans Schlederer.

Die Afrikanische Schweinepest verläuft für die Tiere fast immer tödlich, stellt für den Menschen aber keine Gefahr dar.

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Redakteur Wirtschaft

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