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Wirtschaft

Rewe-Lekkerland-Fusion: Heimische Kartellwächter fordern Auflagen

Von Susanne Dickstein 10. Oktober 2019 00:04 Uhr

Die Tankstellenshops der OMV werden von Lekkerland beliefert.

WIEN / WELS. In Deutschland wurde der Kauf durchgewunken, in Österreich wird er kritisch gesehen

Ende Mai gab die Billa-Mutter Rewe bekannt, dass sie den Großhändler Lekkerland übernehmen wolle. Das deutsche Bundeskartellamt hat diesen Plänen gestern ohne Auflagen bereits zugestimmt. In Österreich hingegen legen sich die Kartellbehörden quer.

„Es steht im Raum, dass die Prüffrist um zwei Wochen durch die Unternehmen verlängert wird. Derzeit sind Auflagengespräche im Laufen“, erklärte gestern eine Sprecherin der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Man habe einen Markttest in Österreich durchgeführt. Anders als in Deutschland seien dabei erhebliche Bedenken von Marktteilnehmern, insbesondere im Markt für die Belieferung von Tankstellen, geäußert worden, heißt es aus der BWB.

Ein umkämpfter Markt

Einer, der den Zusammenschluss zwischen Rewe und Lekkerland kritisch sieht, ist der Geschäftsführer der Doppler Mineralöle, Bernd Zierhut: „Will man Wettbewerb im Tankstellengeschäft verhindern, lässt man den Zusammenschluss zwischen Rewe und Lekkerland zu.“ Das Welser Familienunternehmen Doppler, das rund 200 Standorte unter der Marke Turmöl in Österreich betreibt, arbeitet bei den Tankstellenshops im Wesentlichen mit Spar zusammen.

Rund jede zweite Tankstelle in Österreich hat einen relevanten Shop. Der Markt ist heiß umkämpft, seit die Supermarktketten Spar und Billa eingestiegen sind und einander die Shops abspenstig machen. Shell zum Beispiel wurde lange Zeit von Spar beliefert. Seit Sommer des Vorjahres bestückt Billa die Regale. Auch Lekkerland beliefert die Shell-Tankstellen, die zum Linzer Familienunternehmen Stiglechner gehören. Aus zwei Anbietern würde damit nur einer. Branchenkenner schätzen, dass Rewe mittlerweile Marktführer sei bei Tankstellenshops, gefolgt von Lekkerland. Letzterer versorgt unter anderem die Viva-Shops der OMV-Tankstellen mit Waren. Durch den Zusammenschluss der beiden sei eine Einschränkung des Wettbewerbs zu befürchten, sagen Kritiker.

Nicht relevant ist der Zusammenschluss auf den gesamten Lebensmitteleinzelhandel gesehen. Denn dort ist die Konzentration in Österreich ohnedies enorm: Die drei Großen (Rewe, Spar, Hofer) teilen sich rund 80 Prozent des Marktes. Lekkerland, der neben Tankstellen auch Kioske, Bäckereien, Schnellrestaurants und Einzelhändler zu seinen Kunden zählt, fällt kaum ins Gewicht. Laut Firmenbuch hat Lekkerland in Österreich mit 140 Mitarbeitern einen Umsatz von gut 105 Millionen Euro erzielt.
 

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Susanne Dickstein

Redakteurin Wirtschaft

Susanne Dickstein
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