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Wirtschaft

Republik verdiente an den im Vorjahr massiv gestiegenen Staatsschulden

Von Hermann Neumüller  21. Januar 2022 00:04 Uhr

Österreich Fahne
Die österreichische Fahne weht im Wind vor blauem Himmel. Flagge Österreich

WIEN. Durchschnittliche Effektivverzinsung der Staatsschuld auf zuletzt 1,17 Prozent gesunken

45 Milliarden Euro hat der Staat zusätzliche Schulden in den beiden Vorjahren aufgenommen. Eine zusätzliche Budgetbelastung durch den Schuldendienst entsteht daraus nicht. Im Gegenteil: Die Republik muss um rund vier Milliarden weniger zurückzahlen, als sie aufgenommen hat.

Einen Dank dafür richtete gestern der Geschäftsführer der Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA), Markus Stix, an die Europäische Zentralbank: Der massive Schuldenaufbau "wurde von der EZB mit einem sehr günstigen Zinsumfeld unterstützt, damit das für die Staaten auch wirklich leistbar ist", sagte Stix gestern im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien.

Negative Renditen für Anleihen

Die durchschnittliche Verzinsung aller neu aufgenommenen Schulden lag 2021 bei minus 0,34 Prozent. "Es ist das dritte Mal in der Geschichte der Republik, dass die kompletten Begebungen des Jahres durchschnittlich mit negativem Zinssatz emittiert wurden und es ist auch das zweite Mal, dass alle Bundesanleihen negativ begeben wurden", sagte Stix.

Auch die durchschnittliche Portfolio-Rendite, also die Rendite für alle ausstehenden Anleihen, sank damit im Vorjahr weiter, von 1,47 Prozent im Jahr 2020 auf 1,17 Prozent. Darüber hinaus wurde die durchschnittliche Laufzeit weiter auf 10,6 Jahre gesteigert, wodurch die günstigeren Konditionen für einen längeren Zeitraum gesichert werden.

Dass der Schuldenstand massiv auf 253,57 Milliarden Euro gestiegen ist und irgendwann der Tag kommen wird, an dem zurückgezahlt werden muss, relativierte Stix. Staatsschulden werden nicht zurückgezahlt, sondern bedient. Das heißt, die Zinsen sind zu zahlen, und wenn eine Anleihe ausläuft, wird sie refinanziert, sie wird also durch eine neue Anleihe oder durch Aufstockung von bestehenden Anleihen ersetzt.

Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen von 10,6 Jahren bedeutet, dass in diesem Zeitraum die komplette Schuld quasi "umgedreht" wird. Die OeBFA habe sich bemüht, die zusätzlichen Schulden auf sämtliche Laufzeiten zu verteilen. "Auch die 50-jährige und die 100-jährige Bundesanleihe wurden aufgestockt", sagte Stix. Damit entstehe kein "Klumpen" in der Form, dass in einem Jahr extrem hohe Refinanzierungen notwendig würden.

Dass Österreich in einer derart komfortablen Situation als Schuldner sei, komme nicht von ungefähr. Im Jahr 2019 wurde der Schuldenstand tatsächlich reduziert, und auch die Schuldenquote sank in den vergangenen Jahren von 85 auf 70 Prozent der Wirtschaftsleistung. "Das haben die Investoren sehr genau registriert. Nicht zuletzt deshalb fühlen sie sich bei uns gut aufgehoben", sagte Stix.

Zu den Investoren zählen etwa Banken, Versicherungen oder Pensionskassen, nicht nur aus der Eurozone, sondern etwa aus der Schweiz oder Norwegen. Ein großer Nettokäufer war zuletzt auch die EZB. 114 Milliarden Euro oder rund 40 Prozent an österreichischen Bundesanleihen "liegen auf den Büchern der EZB", sagte Stix.

Aber auch internationale Großkonzerne seien "Kunden" der OeBFA, sagte Stix. Die schätzten die Möglichkeit, kurzfristig überschüssige Liquidität bei uns zu "parken". Auch das habe einen einfachen Grund. Wir würden zwar genauso kreditwürdig wie die Deutschen eingestuft, weil der Markt für österreichische Bundesanleihen enger sei als der deutsche, müssten wir 0,3 Prozentpunkte mehr bezahlen. "Das ist für Großinvestoren eine Menge Geld", sagte Stix. 

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Hermann Neumüller

Redakteur Wirtschaft

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