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Wirtschaft

Reisekonzern Thomas Cook ist insolvent

Von nachrichten.at/apa   23. September 2019 09:21 Uhr

Thomas Cook ist pleite: Chaos auf den Flughäfen

LONDON. Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite. 600.000 Urlauber sind betroffen, darunter sind auch tausende Österreicher.

Allein aus Großbritannien sind etwa 150.000 Urlauber im Ausland von der Pleite betroffen, auch deutsche Touristen könnten die Folgen spüren. Die britische Regierung ließ die größte Rückholaktion in Friedenszeiten anlaufen.

Video: Was Betroffene tun können

Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen. Im Laufe des Montags will die britische Regierung mindestens 14.000 Passagiere in ihre Heimat zurückbringen.

Dutzende Flugzeuge im Konzern sind zudem für den deutschen Ferienflieger Condor im Einsatz. Dieser teilte in der Nacht auf seiner Website mit, seine Flüge fänden planmäßig statt. Bei der deutschen Bundesregierung sei ein Überbrückungskredit beantragt worden.

Zuvor waren die Bemühungen um eine Rettung des angeschlagenen Konzerns gescheitert. Die britische Regierung lehnte eine Finanzierungsbitte über 150 Mio. Pfund (knapp 170 Mio. Euro) ab. 

 

Das würde Insolvenz in Österreich bedeuten

Am Montag befanden sich 4.600 österreichische Gäste in den Zielgebieten, wie ein Sprecher von Thomas Cook Österreich mitteilte. Bis Dienstag sollen 800 Touristen anreisen.

Sollte die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook auch auf Österreich überschwappen, was Experten annehmen, würden die österreichischen Kunden ihr Geld zurückbekommen. Reiseveranstalter müssen sich hierzulande für den Insolvenzfall absichern. 

Für heimische Urlauber stehe eine eigene Serviceline der Abwicklungsgesellschaft Allianz Worldwide Partners (AWP P&C S.A.) unter der Rufnummer +43-1-52503-681 zur Verfügung. Die E-Mail-Adresse lautet thomascook.at@allianz.com (Polizzennumer: 02-1034065014-0).

In Österreich ist Thomas Cook der drittgrößte Anbieter von Pauschalreisen nach TUI und Rewe Austria Touristik, mit rund einer Viertelmillion Reisenden jährlich. Ende 2017 beteiligte sich der Konzern mit seiner Airline Condor auch im Verfahren um die insolvente Fluglinie Niki, und kooperierte später mit dem erfolgreichen Bieter Laudamotion.

Video: Sprecher des Außenministeriums gibt eine erste Einschätzung

Condor hält Flugbetrieb aufrecht

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor hält den Flugbetrieb aber aufrecht. 240.000 Kunden hat Condor bereits auf Rückflügen gebucht.

Die heimischen Flughäfen sind aktuell nicht unmittelbar von der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook betroffen. "Es gibt keine direkten Flugverbindungen von Thomas Cook oder Condor ab Wien", sagte Flughafen-Sprecher Peter Kleemann.

"Tiefes Bedauern"

Konzernchef Peter Fankhauser sprach in einer Erklärung von einem "tiefen Bedauern", dass man keine Lösung für die Rettung des Konzerns gefunden habe. Zwar sei eine Einigung bereits zu einem großen Teil ausgearbeitet worden. Zusätzliche Forderungen in den letzten Tagen der Verhandlungen hätten sich am Ende jedoch als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen. 

Thomas Cook war durch eine milliardenschwere Abschreibung auf ein Tochterunternehmen und ein schwächeres Reisegeschäft ins Schleudern geraten. Zudem litt der Konzern mehr als Rivalen wie TUI und unter der mit Brexit und schwächerem Pfund einhergehenden Reiseunlust der Briten. 

"Erdbeben Stärke 7" für griechischen Tourismus

Die Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook schockiert den griechischen Tourismussektor. "Das ist ein Erdbeben der Stärke 7, und der Tsunami kommt erst noch", sagte am Montag der Präsident des kretischen Tourismusverbands, Michalis Vlatakis, griechischen Medien. So hätten auf Kreta rund 70 Prozent aller Tourismusunternehmen Verträge mit dem Reise-Riesen.

Allein 2019 habe Thomas Cook gut 400.000 Besucher nach Kreta gebracht. 50.000 Reisende sind nun gestrandet, 22.000 sollen in den kommenden drei Tagen zurückgebracht werden.

15.000 Zypern-Urlauber betroffen

Zyperns Tourismusminister bezeichnete die Pleite als "schwerer Schlag für den Tourismus auf Zypern". Aktuell seien 15.000 Touristen auf Zypern von der Pleite betroffen, jährlich brachte Thomas Cook laut Staatsrundfunk RIK bisher rund 250.000 Besucher auf die Mittelmeerinsel.

Hunderte Touristen in Kroatien gestrandet

Auf dem Flughafen in der Küstenstadt Split saßen am Montag 438 Passagiere fest, nachdem zwei Flüge nach Großbritannien gestrichen worden waren. In Dubrovnik sind von der Insolvenz rund 190 britische Touristen betroffen, berichteten kroatische Medien.

46 Flüge in Spanien gestrichen

In Spanien sind am Montag 46 Flüge von Thomas Cook ausgefallen, teilte die spanische Flughafenverwaltungsgesellschaft Aena mit. Jeweils fünf Starts und fünf Landungen wurden auf Mallorca gestrichen. Im Flughafen von Palma de Mallorca sei es aber vorerst ruhig geblieben, berichteten Regionalzeitungen.

Nach verschiedenen Schätzungen waren in Spanien 25.000 bis 30.000 Touristen vor allem aus Großbritannien, aber auch aus Deutschland und anderen Ländern betroffen. Mit Thomas Cook waren im vergangenen Jahr rund 3,6 Millionen Touristen nach Spanien gereist. Vor allem auf die Balearen und Kanaren sowie nach Andalusien, Valencia und Katalonien.

Zehntausende Skandinavier sitzen fest

Insgesamt befänden sich 34.460 Kunden aus Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark an verschiedenen Reisezielen, teilte der Reiseanbieter Ving, eine Thomas-Cook-Tochter, am Montag mit.  Schätzungsweise 6.500 Menschen waren am Montag von Flugstreichungen der skandinavischen Töchter von Thomas Cook betroffen, davon sollten rund 3.400 in die Heimat zurückfliegen. Alle 31 für Montag angesetzten Flüge von Thomas Cook Airlines Scandinavia blieben am Boden, alle Reisen aus Skandinavien wurden bis auf Weiteres eingestellt.

Emotionale Szenen an Bord

Geradezu historisch wurde es am Montagvormittag in Manchester. Dort landete nach Flughafenangaben der letzte Flug in der 178-jährigen Unternehmensgeschichte von Thomas Cook. Die Maschine war in der US-Stadt Orlando gestartet, kurz bevor der Konzern den Betrieb eingestellt hat. Passagiere berichteten von emotionalen Szenen an Bord.

"Die Besatzung wusste bis zur Landung nicht, was passiert. Einige haben geweint", sagt ein Reisender namens Grant am Montag dem Sender Sky News. Die Crew habe sich aber bis zuletzt äußerst professionell verhalten. Passagier Gary Bell berichtete, dass an Bord für die Besatzung gesammelt worden sei. Immer wieder hätten die Reisenden der Crew applaudiert. Die Piloten und das Kabinenpersonal sehen schwierigen Zeiten entgegen - weltweit sind etwa 21.000 Mitarbeiter von der Pleite betroffen, davon rund 9.000 allein in Großbritannien.

Thomas Cook war 1841 gegründet worden und betreibt Hotels, Ferienressorts, Airlines und veranstaltet Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern fliegen 58 für Condor. Weltweit hat Thomas Cook rund 21.000 Mitarbeiter in 16 Ländern. Davon sind etwa 4.500 in Deutschland bei Condor beschäftigt.

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